Montag, 29. Oktober 2012

Die Frau in den Dünen


Suna no onna (Hiroshi Teshigahara, 1964)



Die ersten Minuten lassen eine symbolische Entdeckerreise in hypnotischen Bildern, voller Insekten (Teshigahara war auch Dokumentar-Filmer), in riesiger Wüste, in der so viel zu finden ist, erwarten. Doch in unmittelbarer Zeit wird aus "Woman in the Dunes" ein - immer noch bildgewaltiges - Kammerspiel. Der Lehrer, der im Sand forschte, verpasst den letzten Bus, kommt bei einer Witwe unter, die ihn aufnimmt und erfährt am nächsten Tag, dass ihm der Weg zurück von den Dorfbewohnern versperrt wird, um mit gegen die kommenden Sanddünen anzukämpfen. 

Eine Wüste in unendlichen Weiten, Sand in unendlichen Mengen und irgendwo ein Haus, in dem man gezwungen ist zu bleiben. Getrennt von all dem, was man eigentlich vorhatte, geplagt von Sanddünen, die immer wieder drohen das Haus zu zerstören. "Woman in the Dunes" verfolgt die klaustrophobische Panik, die man erfährt, allein schon bei dem Wissen sich in einer Hütte mitten im Nirvana aufhalten zu müssen, ohne davon wegkommen zu können. Alleine das Gefühl der Gefangenschaft ist so schmerzvoll, dass man vergisst inwieweit man den Wert im Leben gesehen hat. Ebenso geht es um das vergebliche Kämpfen gegen das Unmögliche, um sich zu befreien, ohne sich dabei auf das Mögliche (die Affäre mit einer Frau) fokussieren zu können. Wenn man weiß, dass man festsitzt, will man mit aller Kraft raus, ohne zu wissen, wie und warum überhaupt. 
Der Film wurde von mir in jeder seiner einmaligen 147 Minuten vollkommen verschlungen, doch je mehr man über ihn liest, desto mehr erfährt man über diese rätselvolle, allein so schon vollkommen fesselnde Erfahrung voller Symbolik aus schweißgebadeter, sich annähernder Haut und schwimmenden Sand. Die Atmosphäre aus experimentellen Tönen und die vielen Nahaufnahmen mit verzaubernder, wie auch verstörender Wirkung sind unbeschreiblich und lassen diesen Film nie wieder aus dem Kopf gehen. Das ist einfach mit nichts vergleichbar. Wirklich etwas, dass man so noch nie gesehen hat.

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