Samstag, 30. Juni 2012

Watchlist

Gesehen im Juni:

Am Rande des Rollfelds  8/10
(Chris Marker, 1962)
The Mysteries of the Chateau of the Dice  6/10
(Man Ray, 1929)
Meshes of the Afternoon  8/10
(Maya Deren, 1943)
The Holy Mountain  9/10
(Alejandro Jodorowsky, 1973)
Hedgehong in the Fog  7/10
(Mariya Vinogradova, 1975)
The Girl With The Dragon Tattoo  7/10
(David Fincher, 2011)
Men in Black  7/10
(Barry Sonnenfeld, 2012)
My Sassy Girl  4-7/10
(Jae-young Kwak, 2001)
Warum läuft Hr. R Amok  7/10
(Werner Rainer Fassbinder, 1970)
Angst essen Seele auf  8/10
(Rainer Werner Fassbinder, 1972)
Der Phantastische Planet 9/10
(René Laloux, 1973)
Tetsuo  9/10
(Tomorowo Taguchi, 1989)
Mr. Nobody  3/10
(Jaco van Dormael, 2009)
The Blood of a Poet  8/10
(Jean Cocteau, 1930)
Human Centipede  5/10
(Tom Six, 2009)
My Fair Lady  4/10
(George Cukor, 1964)
Das Experiment  1/10
(Oliver Hirschbiegel, 2001)
The Grandmother  8/10
(David Lynch, 1970)
I‘m a Cybork, but that‘s OK  2/10
(Park Chan-wook, 2006)
Letzes Jahr in Marienbad  9/10
(Alain Resnais, 1961)
Kitchen Sink  7/10
(Alison Maclean, 1989)

Liebe ist Kälter als der Tod  6/10
(Rainer Werner Fassbinder, 1969)

Donnerstag, 21. Juni 2012

Zombie - Dawn of the dead

Dawn of the Dead (George A. Romero, 1979)




In Trümmern aus zerfetzten, entstellten, durchlöcherten (Un)toten fliegen Gliedmaßen und rollen Köpfe. Im durcheinander geratenen und verlassenen Kaufhaus geht die Post ab. Eine geballte Ladung Splatter. Intelligent unterlegt mit erstklassiger Konsumkritik. Wunderbar inszeniert und geschickt musikalisch untermalen. Dazu eine herrliche Portion trockener Humor... mit Blut. Ein Meisterwerk. Unersetzbar, unerreichbar. Spannender Horror und erstklassiges Setting sorgen für Spaß und Grusel. Romeros „Dawn of the Dead“ ist einfach ein absoluter Klassiker! Blutig, böse, bissig. Traumhaft!

Pusher

Pusher (Nicholas Winding Refn, 1996)


"Pusher" ist im Gegensatz zu Refn's zwei neuesten Streifen weit entfernt von einem glanzvollen und stilsicheren Film, sondern ein ungeschönter Einblick in die Geschäfte eines Drogendealers. Das bringt nichts wirklich neues mit sich und ist eine recht typsche Geschichte vom ewigen graben nach Geld in den tiefsten Gangset-Milleus um seine Schulden zu begleichen, doch der Regisseur packt dies ungewohnt ehrlich und konsequent an und hält dem Zuschauer gnadenlos die Ungerechtigkeit, die hier herrscht vor und zeigt dem Zuschauer, dass man blitzschnell im Drogen-Geschäft in solche Situationen gelangen kann; ohne es zu bemerken und dort auch nicht so schnell wieder raus gelangt, während man bei Filmen von Scorsese oder Tarantino teilweise fast schon Lust kriegt auch mal ins Geschäft einzusteigen. Da muss natürlich auch mal Filme wie diesen hier geben. Gut gemacht, Nicholas!

Mittwoch, 20. Juni 2012

Bringing Out the Dead

Bringing Out the Dead (Martin Scorsese, 1999)


In "Taxi Driver" hat uns Martin Scorsese schon einen finsteren Blick auf eine Berufung gegeben, doch mit seinem "Bringing out the Dead" zeigt er uns was noch ätzender sein kann: Rettungssänitäter. Da fährt man raus, kommt an lauter Schnorrern, Kleingangstern und Junkies vorbei. Muss Selbstmörder angestrengt von Dächern holen. Die Leute mit dem Verlust eines Mitmenschen konfrontieren. Überall kommt man irgendwie mit dem Tod in Berührung. Die Hauptfigur Frank die - wie schon Travis - an Schlaflosigkeit leidet und obendrein noch daran ständig Bilder von älteren Patienten, die er nicht retten konnte zu sehen. So wird "Bringing out the Dead" zu einem monströsen und überaus faszinierenden Rausch, der irre zwischen Realität und Traum wechselt und in beiden Ebenen komplexe Hintergründe aufdeckt. Es ist ein aufregendes und skurriles Erlebnis, was einem mit seinem atemberaubenden Bildern und seiner perfekten Inszenierung absolut in den Bann zieht. Viele sagen: "Ein guter, aber kein Meisterwerk." Dem widerspreche ich, da dies ein sehr impulsiver und tiefgründiger Film ist, der eine großartige und interessanten Story besitzt, dessen Umsetzung keine Wünsche offen lässt.

Apokalypse Now

Apokalypse Now (Francis For Coppola, 1979)


Endzeit-Musik zu Beginn. Brummende Hubschrauber. Ventilatoren, die gegen die erstickende Schwülheit ankämpfen. Das tolle am Intro ist, wie das drehen vom Ventilator und die Propeller der Hubschrauber in Verbindung gebracht wird. Die Hitze brennt. Man kann keine 100 Meter mehr weit gucken, durch den dichten Rauch. Coppola geht garnicht wirklich groß auf Figuren, Dialoge und Handlung ein. Er lässt die Bilder sprechen. Zeigt das Schlachtfeld in all seiner Schrecklichkeit. Doch das Schlachtfeld dient nur als der Anfangspunkt für einen immer tieferen Trip durch die Hölle, mitten ins Nevada des menschlichen Verstand. Francis Ford Coppola spricht es selber aus: "Mein Film handelt nicht von Vietnam. Er IST in Vietnam." Irgendwo im Grauen. Irgendwo im tiefen Rauch. Alles scheint ohne Orientierung. Nichts zählt mehr. Man denkt nur noch an die Anfangsmusik: "This is the end." Man ist am Ende. Man ist in der Hölle. Man ist am Abgrund. Man ist gefangen. Und hier bleibt man auch für die nächsten zweieinhalb Stunden fest sitzen. Man ist festgebunden. Überall. Ein ebenso ruhiges, wie umhauendes Überwerk, was bei den inzwischen schon über 30 Jahren nicht annähernd an Wirkung eingebüßt hat.

Wenn die Gondeln Trauer tragen

Don't Look Now (Nicolas Roeg, 1973)

Ein ganz eigenwilliger Schocker und auch immer noch ist die Anfangs-Szene mit der intensivste Leinwand-Tot, der einem je vor Augen geführt wurde. Besonders weil sich dies so oft in Filmen andeutet, aber dann doch noch ein Rückzieher oder ein Witz daraus gemacht wird, aber „Don´t Look Know“ zieht dies in einer kalten und trüben Konsequenz durch, welche realistischer und authentischer auf den Zuschauer nicht wirken könnte, was daran liegt, dass es sich schon vorher andeutet, was das nasse Großbritannien auch bestens vorführt. Danach geht es in das zauberhafte Venedig, was sich wunderbar für diese befremdliche Stimmung als Ort eignet. Jede Gasse, jeder Kanal, der ganze See, alles hat irgendwie etwas magisches, märchenhaftes. „Don´t Look Know“ ist dabei immer mehr sensibel-bedrückender Horror, der in vielen Szenen dank seiner ruhig-plätschernden umso auf den Magen und in den Kopf geht. Die oft wechselnden Kamera-Perspektiven und der flötende und klingelnde Score, geben den Film eine ganz einzigartige und beklemmende Atmosphäre. Das Ende erschreckt einen noch einmal enorm und lässt einen zum ersten mal einen Blick auf klassischen Horror zu und punktet mit einer bedrückend präsentierten Auflösung.

Warum läuft Herr R. Amok?

Warum läuft Herr R. Amok? (Rainer Werner Fassbinder, 1970)


"Warum läuft Herr R. Amok?" ist kein schöner Film. Kein Film, den man geniessen wird, kein Film, bei dem man sich um eine Zweitsichtung reissen wird, kein Film, den man ins Herz schließen wird. Es ist eine einzig unterkühlte Sitzung in der Rainer Werner Fassbinder den Zuschauer mit schlechten Witzen, sinnlosen Gequatsche über Theater und vieles, vieles uninteressantes mehr bombardiert. Hr. R sitzt dabei immer im Hintergrund und belauscht das Geschehen. Er leidet förmlich mit dem Zuschauer mit, oder der Zuschauer leidet mit ihm. Irgendwann erscheint sein Handeln zum Schluss das einzige Tor zur Erlösung, zur Hoffnung. Hr. R wurde die volle Zeit ignoriert und im Raum stehen lassen, keiner konnte sich vorstellen, was genau er dachte, weswegen der „Amoklauf“ natürlich arg aufstößt. Fassbinder zeigt was das konsequente Übergehen unserer Mitmenschen für Verwunderung im Nachhinein auslösen kann. Ein guter Film.

Dienstag, 12. Juni 2012

Amores Perros

Amores Perros (Alejandro González Iñárritu, 2000) 

"Amores Perros" beginnt - wenn man mal die Eingangsszene weglässt - immer ruhig mit Glück. Es sind wir Menschen, die alle Träume, Hoffnungen fallen lassen. Wenn man, obwohl man sein Limit schon längst überzogen hat, noch einmal nachhaken muss. Man siehe den letzten Hundekampf, man siehe das ewige Suchen nach dem Hund unter den Boden. Es sind dabei alles Charaktere, die sich nicht absprechen, die nicht über Probleme reden. Die sich belügen, sich verachten ohne Grund. Die etwas wollen, was nicht im entferntesten erreichen zu sein scheint und dennoch ihr Leben auf´s Spiel setzen. Grandios gelingt im dabei immer wieder bestimmte Aspekte erstmal im dunklen zulassen und sie nachher zu behandeln. Besonders auffällig ist dies bei de Crash, der aus drei Perspektiven gezeigt wird und letztlich der Geschichte den Punkt bringt in dem die Figuren alle Aufeinander treffen. Alle drei sind in anderer Stimmung. In einem Auto herrscht Angst und Hektik. In einem Hoffnung. Und so macht ein Knall die Hoffnung zunichte und die Angst wird zur Einsamkeit, während die dritte Person einschreitet und in erster Linie nichts weiter tut, als zu helfen.
Iñárritu´s Debüt gilt nicht umsonst als einer der ersten Klassiker des neuen Jahrhunderts. Die Charaktere, die sich durch unerreichbare Wünsche immer selbst runterziehen geben "Amores Perros" eine ungeheuer fesselnde Realitätsnähe. Iñárritu´s Film ist gnadenlos, konsequent, ehrlich, faszinierend, schockierend und ernst, dabei aber nie zu ernst. Ein grandioser, deprimierender Film, der zwar ein bisschen mehr Charme als "21 Gramm" und "Babel" hat, aber trotzdem einige ungeheuer schockierende Szenen mit sich bringt. Dabei gibt es auch eine ebenso drastische wie poetische Bebilderung und Inszenierung. Irgendwo zwischen einfühlsam und hochdramatisch. Ich schaue glaube ich zu viele deprimierende Filme, aber wenn sie so gut sind sage ich einfach nur: Augen zu und durch!

Heat

Heat (Michael Mann, 1995)

Genre-Höchstsport. Jede Szene, jeden Einstellung perfektioniert, charakterisiert und mit konzentrierten Nuancen unterlegt. Bei Michael Mann ist keine Szene zu kurz oder zu lang. Jede Sekunde bringt Dramatik, Gefühl und Spannung aufrecht. Dass hier zwei so große Schauspielgrößen nebeneinander stehen ist dabei nicht mal der Punkt der "Heat" zu so einem überragenden Gangsterepos macht. Es ist vor allem das Gespür des Regisseurs diese beiden zu charakterisieren. Hier wird nicht mal eben eine: "Oh nein, sie haben noch Frau (und Kinder)"-Dramaturgie hingeklatscht. Man zeigt echte familiäre Probleme. Lässt dabei auch immer wieder mal die Darsteller einfach alleine da stehen, nachdenken und schweigen. Allein das sagt manchmal mehr als tausend Worte. Wenn Robert DeNiro oben in seiner einsamen Villa aufs Meer herausschaut. Sieht, dass er ganz weit oben steht, er seine Waffe aus der Hand legt und zu überlegen scheint, ob er so weiter machen will. Man beobachtet hier von der ersten Minute an zwei Männern, die schon zu Beginn besessen von ihrem Job sind. Die ihre Familien/Frau/Freundin warten lassen. Sie verzichten auf ein "normales" Leben und stürzen sich auf die Straßen. Ein atemloses, unterkühltes, packendes, erlebnisreiches Meisterwerk. Das vielleicht letzte große, überlebensgroßes Gangsterepos mit der wohl (mit) beeindruckendsten Schießerei aller Zeiten. Man spürt förmlich die Kraft die entsteht wenn ein Mann plötzlich mitten auf der Straße ein Maschinengewehr zückt und aufeinmal damit rumballert. 

Sonntag, 10. Juni 2012

Angst essen Seele auf

Angst essen Seele auf (Rainer Werner Fassbinder, 1974)


Sensibles und minimalistisches Melodram über den kleinbürgerlichen Rassismus in dem Umfeld der 70er. In seiner Thematik wird "Angst essen Seele auf" in jedem Fall zeitlos bleiben. Die Figuren, die er entwirft dürften möglicherweise leicht konstruiert wirken, geben diesem Film aber doch eine unglaubliche Intensität. Fassbinder geht es vor allem um das gesellschaftliche Miteinander. Über die pessimistisches Beobachtungsgier unserer Mitmenschen. Seine konzentrierte Inszenierung, die in den passenden Momenten Distanz und Nähe zu seinen Figuren zulässt, schließt taktisch klug einen immer enger werdenden Teufelskreis um die beiden Hauptpersonen, die wirklich höchstbewegend und glaubhaft, sowohl von Brigitte Mira als auch El Hedi ben Salem, gespielt werden. "Angst essen Seele auf" ist ein - ganz besonders für Fassbinder - sehr deprimierender Film. Ein Unwohlsein im Wohlsein. Ein Höllenritt im Glück. Eine gedankenorientierte Tristesse.

8/10

Sonntag, 3. Juni 2012

Possession

Possession (Andrzej Zulawski, 1981) 







Vorsicht, Vorsicht. Wird am Anfang noch bedrohlich geflüstert, darf man sich nach ungefähr den ersten 10 Minuten darauf vorbereiten hier einen Beziehungs-Film zusehen, in dem der Zuschauer mit der Angriffstaktik "Auf ihn mit Gebrüll!" ganz listig überrumpelt wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand diesen Film synchronisieren kann, da man dafür erstmal u.a. die ellenlange Schrei-Performance von Isabelle Adjani nachspielen, deren Leistung so unerträglich-großartigigste ist, die ich bisher gesehen habe. "Possession" war so DER Film vor dem ich ebenso gewarnt wurde, wie man ihn mir ans Herz gelegt hat (dazu 9er Vorhersage). Und was soll ich sagen? Beide Seiten haben absolut Recht. Konversationen, wie sie nicht heftiger und lauter sein könnten. Wer sich diesen Film vor der Ehe-Schliessung ansieht, ist selbst schuld. Dazu Horror-Elemente, der unerwartetsten und ungewöhnlichsten Stile. Egal ob geschossen, geschnitten (bei der Szene mit dem Messer habe ich gerade in ein Mars gebissen, danke vielmals!) oder gebissen wird. 


"Possession" ist ein unglaublich starkes, chaotisches, aufwühlendes und teils so abscheuliches wie geniales Meisterwerk, was Szenen hat, die nur für den finstersten Masochisten in einem zu ertragen sind. Wenn man sich darauf einlässt, wird man jedoch Zeuge von einem der intelligentesten und skurrilsten Schocker, die man seit langem gesehen hat. Für mich als Freund von solchen surrealistischen und abgründigen Werken ein absoluter Hochgenuss. Na ja, jetzt lüg ich schon wieder ein bisschen. Obwohl Wahrheit steckt da schon. Allein durch ein paar wirklich erstklassige, rasiermesserscharfe und so noch nie gehörte Dialoge. Außerdem ein paar Zitate für die Ewigkeit. Wie auch immer auf jeden Fall sehr, sehr faszinierend. Berlin als Drehort erweist sich dabei übrigens als Glücksgriff für eine vollkommen unbequeme Atmosphäre. Muss man mal erlebt haben!

Branded to Kill

Koroshi no rakuin (Seijan Suzuki, 1967)


Es wurde uns schon immer vorgepredigt. Killer dürfen keine Gefühle haben. Sie sollten möglichst wenig Kontakte zur Außenwelt führen und generell nicht viel menschliches mit sich bringen. Wenn man schon eine Schwäche für gekochten Reis hat kann das vielleicht schon zu viel sein und man versaut einen Job und wird daraufhin ganz schnell selbst zum Zielobjekt. So alt diese Handlungsverlauf auch auf den ersten Blick wirkt. Ich kann versprechen, dass "Branded to Kill" verwirren kann, wie wenige. Dass er etwas sein wird, was man so nie wieder zu Gesicht bekommt, denn schon der Titelsong, der hier schon unter mir zitiert wurde, ist einmalig und gibt dem Zuschauer schonmal einen Vorgeschmack auf den absurden Mix aus unglaublich bizarr inszenierter Action, jede Menge Dialog-Witz, verrückter, einzigartiger, cooler Charaktere und einen Schuss Melancholie. Stellenweise denkt man echt nur "WTF?", wenn dann aufeinmal die Kamera herum kreist und auf lautlos gestellt wird und im nächsten Moment ein schneller, lauter Schnitt folgt oder aufeinmal kleine Zeichnungen ins Bild rücken, aber allein schon diese unglaublichen Kameraperspektiven. Ich hatte selten so viel Spaß bei einem Film in den letzten Tagen, nein, sagen wir Monaten. Der perfekte Film für den Fan von nicht ganz ernstzunehmenden extra überzogenen Filmchen ein purer Genuss von Anfang bis Ende.

City of God

Cidade De Deus (Frenando Meirelles, 2002)


"City of God" ist ja schon gut, sehr gut sogar. Ein mitreissender, von packenden Momenten lebender Film über die (wahre) Geschichte eines Jungen, der den Kampf gegen die Stadt des Gottes einen ganzen Film über aufnehmen muss. Hier wird gestorben, geschossen, getötet, gedealt, geliebt, gehasst. Was Meirelles hier ein Stück vermissen lässt sind zwischen all der Gewalt dem Zuschauer greifbare Emotionen zu vermitteln. Mit all seiner Action und seiner immer harmloser werdenden Geschichte wird das Ganze immer mehr zu einem Märchen und lässt all die Brutalität und Wirksamkeit, die "City of God" mit sich brachte gen Ende wiederum ein Stück vermissen. Die Geschichte läuft immer mehr auf ein uninteressantes Krieg zwischen zwei Banden hinaus und zieht einen dadurch immer weiter aus dieser unbequemen Haltung, die sich in dem Laufe der Geschichte breit macht, raus. Außerdem ist die Inszenierung teilweise etwas zu sehr auf schicki-micki-dreckig getrimmt, sodass sich die erschütternde Wirklichkeit einem nicht so sehr ins Gedächtnis brennen will, wie sie mit Sicherheit sollte. Insgesamt für seine Thematik zu "unterhaltend", aber durchaus eindrucksvoll.

Verblendung

The Girl With The Dragon Tattoo (David Fincher, 2011)


Da fetzt es dann auch schon ab der ersten Minute ordentlich auf dem Monitor und zieht den Zuschauer mit Trent Rezor-Klängen ähnlich beeindruckend wie schon in "The Social Network" erstmal ordentlich in den Bann. Ein wahrer Flash und erneuter stilistischer Geniestreich von Fincher. Generell ist seine Version "The Girl With The Dragon Tattoo" ein absoluter Genuss an Spannung. Man hat es so schon kommen sehen. Finchers Film zimmert den - zugegeben nicht schlechten - Vorgänger atmosphärisch fast schon in ein früheres Jahrzehnt. Das soll nicht heißen, dass nun hier durch ein höheres Budget ein besserer Film entstanden ist. Fincher hat nun mal logischerweise eine deutlich größere Erfahrung, was das inszenieren von Suspense angeht. So sind es nicht nur die Hochglanzbilder in Rückblenden, sondern auch die inszenatorischen Mittel, die der Mann nutzt um Vergewaltigung und Rache-Szene, obwohl sie zurückhaltender sind und nicht so plakativ wie im Roman beschrieben, aus meiner Sicht doch durchaus intensiver zu gestalten. Gut empfand ich es auch den Film weiter in Schweden zu drehen. Dabei wird perfekt die Kälte, die dieser Ort mit sich bringt ausgenutzt, um eine schön unangenehme Stimmung zu erzeugen.


Die Figur Blomkvist's wird dabei toll geführt und auch besser von Daniel Craig gespielt. Es wird sich dazu auch deutlich mehr Zeit für seine Figur genommen, wobei sie immer noch relativ distanziert behandelt wird. Aber so richtig Blomkvist besetzt ist, so falsch ist es leider die Lisbeth Salander in jedem Falle. Rooney Mara wirkt mehr als würde sie brav die Krallen ausfahren und kommt gegen die darstellerische Wucht von Noomie Rapace null an. Vielleicht hätte sich Fincher da für eine etwas ältere, erfahrenere Schauspielerin entscheiden sollen. Zu Mara passt der Look aus Piercings einfach nicht. Dafür macht sie einfach zu sehr den Eindruck eines braven Schulmädchen in Gothic-Klamotten. So hat auch mal der Vorgänger es geschafft überlegen gegenüber des Remakes zu sein. Ansonsten gelingt es jedoch Fincher den Thriller schlicht, einfach und sehr interessant zu strukturieren. Die Wendungen zu zerschnipseln und gekonnt aufzubauen. Er wirkt in jenem Fall gegensätzlich zum Original mehr wie ein eigener Film, als eine Buchverfilmung. Ihm gelingt es dem Produkt seinen eigenen Stil aufzudrucken. Aber auch gewisse Punkte etwas glaubwürdiger darzustellen. "The Girl With The Dragon Tattoo" sonnt sich dabei durchgehend in seiner graufarbige, düsteren Optik, die durchgehend den Zuschauer in seinen düsteren Moloch hineinzubewegen, der sich immer enger in den zusammenrückenden Handlungssträngen zusammenschließt. Hiermit wurde das Maximum aus dem Potenzial des Roman nun endgültig ausgeschöpft. Jetzt ist es aber auch gut. Guter Film.

Samstag, 2. Juni 2012

Montana Sacra

The Holy Mountain (Alejandro Jodorowski, 1973)


Was ist das?, fragt man sich da die volle Zeit, aber dann weiß man es am Ende doch wieder. Man ist  nicht eingeschlafen und hat zwischendurch so ein krankes Zeuge geträumt? Nein, das war ja "nur" ein Film, ein einziger optischer Overkill, der in seinem wilden Fantasie-Orgien einen sprachlos vor dem Bildschirm aufhorchen lässt. Man bekommt hier Bilder zusehen, mann. Das will man gar nicht glauben. Surrealismus und Spiritualität treffen in einen außer Kontrolle geratenen Mischmasch von Religionen, Gesellschafts-Kritik oder verschiedensten Figuren ineinander. Hier kann man überhaupt nichts vorhersehen, denn man sieht so etwas sowieso nie und wird es auch nicht mehr. Bild für Bild scheint ein überladenes, kunstgeladenes Schmuckstück, scheinbar wirklich von einem Drogenrausch inspiriert. Armer Dieb trifft nach weitem Weg - der schon als für sich stehendes Erlebnis gereicht hätte und dem ein oder anderen Zuschauer auch schon reichen wird - auf die Reichen Säcke, die ihr Geld mit Schönheitsrekrutierungen, Waffen, Kinderspielzeugen für die Vorbereitung auf den Krieg und anderen schmutzigen Geschäften machen. Doch all diesen will ein Mann, ein Kaiser, gespielt vom Regisseur selbst, ihr ihr Ego rausprügeln. Sie erfahren alle physische Schmerzen und müssen zu irgendeinem heiligen Berg. Was da passiert will ich jetzt erstmal nicht verraten, aber es spottet wirklich jeglicher Beschreibung und ist ein geballter Mittelfinger hingegen jedes aufmerksamen Beobachters. Ein echt böser Gag, den sich der Regisseur hier leistet, aber er hat funktioniert.
"The Holy Mountain" ist die Spitze, die Groteske von dem experimentellen Einfallsreichtum den man mit den richtigen Köpfen umsetzten und in jede Kulisse, jede Idee und jeden Charakter hineinwerfen kann. Ein Film, der so unglaublich geworden ist, dass seine Botschaft es gegen Ende doch unglaublich schwer hat, gegen dieses schwer fassbare Werk anzukämpfen, aber immerhin noch daran wieder erinnert hat, was man da nun erlebt hat.

Freitag, 1. Juni 2012

Watchlist

Gesehen im Mai: 
Dawn of the Dead  2/10
(Zack Snyder, 2004)
Delicatessen  4/10
(Jean Pierre-Jeunet, 1991)
Blade Runner  10/10
(Ridley Scott, 1982)
This Must Be the Place  6/10
(Paolo Sorrentino, 2011)
Mysterious Skin  9/10
(Gregg Araki, 2004)
Vertigo  9/10
(Alfred Hitchcock, 1958)
The Hills Have Eyes  7/10
(Wes Craven, 1977)
The Last House on the Left  8/10
(Wes Craven, 1972)
Dekalog Eins  7/10
(Krzysztof Kieslowski, 1988)
College Animals  2/10
(David Hillenbrand, 2003)

Ninja  3/10
(Isaac Florentine, 2009)
Hour of the Wolf  8/10
(Ingmar Bergman, 1968)
The Bourne Identity  5/10  
(Doug Lima, 2002)
A Serbian Film  5/10
(Srdjan Spasojevic, 2010)
Electroma  8/10
(Thomas Bangalter, 2006) 
Rosemaries Baby  9/10
(Roman Polanski, 1968) 
A Nightmare on Elmstreet 9/10
(Wes Craven, 1984)
Life as We Know  2/10
(Greg Berlanti, 2010)

Prologue  7/10
(Bela Tarr, 2004)