Mittwoch, 26. Dezember 2012

Die mit der Liebe spielen

L'Avventura  (Michelangelo Antonioni, 1961) 


Der erste Teil von Antonioni's Entfremdungs-Trilogie, den ich mir als letztes gegeben habe, bildet für das, was ich bisher gesehen habe den Höhepunkt seines Schaffens. Die Handlung lässt sich ausführlich eigentlich in zwei, drei Sätze fassen. Eine Frau verschwindet unerwartet, wodurch ihr Mann und ihre Freundin sich näher kommen. Nach einer hoffnungs- und erfolglosen Suche auf einer verschollenen, windigen und trüb wirkenden Insel, lenkt der Film in langsamen Tempo zu der Beziehung zwischen Sandro und Claudia (wunderschön: Trilogie-Stammgast Monica Vitti). Man legt dem Zuschauer dabei ein trügerisches Bild in den Kopf. Während die zwei in zärtlicher Manier einander verfallen, vergisst man mit ihnen mehr und mehr die vorangehende Handlungsstränge, wobei Erinnerungen einem dann natürlich doch immer wieder (so wie den Darstellern, weswegen die Annäherung langsam verläuft und der Film einer gestreckten Laufzeit unterliegt) an diese hochkommen. Enthüllt wird das Glück und die Blindheit, welche die Liebe mitbringt und Freiheit, die hier ungewollt bei der Trennung eines Menschen einsetzt. Am Schluss erwischt Claudia (Monica Vitti) Sandro (Gabriele Ferzetti) mit sich selbst dabei und beide stehen sich gegenseitig in einer imposanten Schlusseinstellung beschämt gegenüber. Ein sinnlich pessimistisches Meisterwerk.

Kuroneko

Yabu no naka no kuroneko (Kaneto Shindô, 1968


Während der Mann im Krieg ist, kommen Mutter und Frau bei dem Überfall einer Samurai-Bande um und werden vergewaltigt und ermordet in der verbrannten Hütte gelassen. Eine umherschleichende, schwarze Katze streunt über die Überreste des Hauses und steht als Symbol des bösen Herrscher, der die beiden als rachsüchtige Geister, deren Feindbild nun der Samurai darstellt, wiederkehren lässt, um diese im Wald abzufangen und ins weit abgeschiedene Haus zu locken. Ein höchst atmosphärischer, hauptsächlich im nächtlichem Wald angelegter Japan-Horror, dessen Bilder einen direkt gefangen nehmen. Durch das Zurückkehren des Mannes wird das Grauen des Krieges gelungen reflektiert, denn er und seine Mutter mit Tochter stehen von nun an auf zwei verschiedenen Seiten, es ist egal, dass sie einander lieben - Gegner bleibt Gegner, wodurch der Film zuletzt einen melodramatischen Ton einschlägt. Somit zeigt "Kuroneko" allein schon auf welchen Ebenen ein Horrorfilm funktionieren kann und hebt Verführung, Liebe, Krieg und hoffnungslose Vergeltung in ein faszinierendes Ganzes.

Cloud Atlas

Cloud Atlas  (Andy und Lana Wachowski & Tom Twyker, 2012)


Knappe drei Stunden, die sich um einen Batzen kürzer anfühlen stehen "Cloud Atlas" zum einen zugute, haben aber auch den Effekt, dass der Inhalt der Geschichten nie wirklich an Ernst gewinnt. Der Film hängt sich nicht konzentriert an seine Kapitel, sondern zimmert planlos eines hinter das Nächste und bietet dem Zuschauer wenig Platz dafür sich in einer Handlungsstränge zu verlieren. Somit fehlt "Cloud Atlas" so hübsch und bedeutend er teilweise ist oder sein will ein ganzes Maß an Gefühl. Eher wirkt es so, als könne der Film sich nie wirklich entscheiden, welche Stimmung er im Zuschauer auslösen will und nutzt die vielen Geschichten um verschiedene Stimmungslagen zu erzeugen. So haben wir gleichzeitig einen Film, in dem im Ganzen mit hoher Gewichtigkeit der Meta-Hieb steht, dass doch alles mit irgendwas verbunden ist, dem Zuschauer aber gleichzeitig zum lachen bringen will, wenn eine Frau einen (natürlich bösen) Mann mit einer Rohrzange erschlägt. Fragmentarisch versucht er Episoden anzuknüpfen, um zu behaupten, dass dies und jenes doch passiert, weil dies und jenes zuvor geschah und hebt einen verkitschten "über alles"-Touch über mehr oder weniger spektakuläre Geschichten. Ansehnlich, aber letztlich nicht wirklich komplett gelungen.