Donnerstag, 31. Mai 2012

Taxi Driver

Taxi Driver (Martin Scorsese, 1976)

Mehrere verächtliche Blicke zielen vom Fenster aus auf die Straßen von New York. All der Hass treibt sich hier auf den Straßen rum und jemand kann es von A nach B bringen. Travis fährt um Geld zu verdienen. Fährt da hin wo er hinfahren muss, da ihm eh alles gleich anwidert. Jede Straße. Jede Ecke. Der nächste Zorn wächst. Viele Leute würden hier versuchen irgendwelche Klischees zu kreieren, damit man so eine Wut bekommt. Doch bei Scorseses "Taxi Driver" reicht eine Kamerastellung heraus auf die Nacht durchs Fenster wo all die Prostitution stattfindet. Überall sich Leute gegenseitig angetrunken anmotzen. Die Lichter einem grell entgegen blitzen. "Taxi Driver" ist wahrscheinlich Scorseses tiefgründigster Film und ich wag auch die Prognose, dass es sein Meisterwerk sein könnte, wenn mich nicht noch ein anderes Film von ihm überraschen würde. Mir gefielen ja schon seine Ausflüge ins Gangster-Genre mit „GoodFellas“ und „Casino“. „Departed“ ist ebenfalls nicht so verachten, doch den Oscar-Gewinn hätte er eher hierfür verdient gehabt. Doch die Academy entschied sich (mal wieder) für das Sport-Drama. Um zurück zum Punkt zukommen: Scorsese hat hier einen Charakter erschaffen wie er in seinen ganzen anderen Filmen kaum zu sehen ist. Es gibt kaum oder gar keine Szene ohne ihn, während in seinen Gangster-Filmen es dem Regisseur mehr darum ging den Fokus auf die Mafia zu legen.
"Taxi Driver" ist ein Film über einen Menschen, eine Figur und einen (Anti-)Helden. Ein Charakter der zwischen Selbstzerstörung und Frust steht. Scorsese schlägt hier ein sehr düsteres Kapitel der Einsamkeit auf. Unberechenbar erscheint dieser Mann. Nicht besonders clever. Aber mit einem zu tief pessimistischen Blick auf die Straßen. Je mehr sich sein verschärft, desto wütender wird er - bis er dann schließlich mit der 44er Magnum vor dem Spiegel steht und diese höchstbekannte Szene erschaffen wird. Hier sieht man den ganz großen DeNiro, der leider seitdem das Jahr 2000 angebrochen ist verlernt hat sich vernünftige Rollen zu suchen. Ich hoffe Scorsese holt in da endlich wieder raus und peitscht ihn soweit nach vorne, dass er endlich mal zeigen kann warum er schon seit langer Zeit den Ruf als einen der besten Schauspieler bekommen hat. In „Taxi Driver“ zeigt er dies in absolut jeder Szene.  
„Taxi Driver“ ist ein außergewöhnliches und perfekt durchdachtes Charakter-Drama, was einem in seiner Gnadenlosigkeit bei der Darstellung des Alltages fast den Atem verschlägt. Hier wird in höchster Extreme durch das Verhalten von Mitmenschen ein Mann hasserfüllter, als er schon vom Krieg ist. Ein ebenso brillantes wie zorniges Epos.


Rosemaries Baby

Rosemary's Baby (Roman Polanski, 1968)


Man hört von Menschen, die erblinden; Menschen, die aus dem Fenster springen; Menschen, die einschlafen und nie wieder aufwachen. All diese Tiefschläge ziehen an dem Zuschauer vollkommen spontan vorbei, während eine Frau namens Rosemary sich durch ihre Schwangerschaft und das Zeugen eines neuen Menschen hindurch quälen muss. Allein der Anfang davon wird mit einer endlosen Albtraum begonnen, bevor dann mit Rosamary's Schwangerschaft, Rosemary's wahrer Albtraum beginnt: Andauernde Schmerzen, ekelige Säfte. Ist das normal bei einer Schwangerschaft? Niemand hat Recht, niemand hat Unrecht. Oder sind es doch die üblichen Verdächtigen. Falscher, neuer Arzt? Böse Nachbarn? Hätte man dem alten Arzt vertrauen sollen? Oder auf die guten biologischen, weisen Tipps hören. Vielleicht hat ein Buch doch Recht? Ein Hexe-Buch? Ist jetzt auch noch Er böse? Kann man überhaupt noch jemanden trauen?
Roman Polanski schafft es durch seine langsame Erzählung den Zuschauer vorsichtig immer misstrauischer, beängstigender zu machen und lässt ihn so mit den Figuren im Dunklen und Hellen tappen zu lassen und nach Antworten suchen. Wer hier aber einen puren Horrorfilm erwartet wird bei "Rosemaries Baby" vor allem eines tun: warten. Wer aber einen stark erzählten, langsamen Thriller mit reduzierten und geheimnisvollen Horror-Elemten erwartet, kriegt genau dies und dabei aber auch noch eine bissige Satire auf Okkultismus mit den ständig versteckten Elementen, bei denen man aber trotzdem die volle Zeit neugierig bleibt. Nicht zuletzt fragt man sich dann aber doch nur: Was ist denn nun der Wiege?

Die Stunde des Wolfes

Vargtimmen (Ingmar Bergman, 1968)

Verfilmte Urängste angesammelt für einen einzigen Albtraum, der mit jede Menge Rückblenden dem Zuschauer die Angst erläutert und diesen immer weiter zwingt, sich selbst zu fürchten. Ingmar Bergman ist es gelungen all die Qual von der Stunde des Wolfes auf mich zu übertragen. Ein Film, bei dem ich schon dabei war die Sekunden runter zuzählen, bis er endlich vorbei war. Eine endlose Durststrecke voller beunruhigenden, nervenstrapazierenden Szenen und viel, viel Verwirrung. Brennt sich reihenweise in den Kopf des Zuschauer. Ein einziger Horrortrip der Oberklasse.

Montag, 14. Mai 2012

Das Fest

Festen (Thomas Vintenburg, 1998)


Ein Mann steht auf und hält zwei Karten in der Hand. Alle lachen locker. Er beginnt langsam. Das Gelächter wird lauter. Es beginnt auch lustig mit einer Kinder-Geschichte.

1 Minute später.
Das Lachen ist längst verstummt. Ein Mann steht auf klatscht und setzt sich sofort - peinlich berührt - wieder hin. Alle sind fassungslos keiner traut sich was zu sagen und genauso geht es mir in diesem Moment auch. Ich spule noch mal zurück und will wissen ob ich mich nicht doch verhört habe.
Wow. Das ist mal wieder eine dieser super-depressiven, morzspannenden, direkten und intensiven Perlen aus Skandinavien. DAS ist also wirklich Dogma. Das ist das erste Mal Dogma. Ich dachte Dogma wäre das kleine Gewackele von von Trier bei Filmen wie "Dogville". Aber nein, so muss das wirklich aussehen. Ist sogar noch großartiger. Zumindest in diesem Film. "Festen" ist - ganz ehrlich - einer der heftigsten Filme, die ich je gesehen habe. Bitter, bissig, böse, brutal, handfest, ehrlich, skrupellos, schonungslos, schmerzvoll, dogmatisch, morbide, durchdringend und einfach nur schockierend. Die wohl schrecklichste cineastische Entlarvung. Der Titel wirkt einladend doch schon beim ersten Bild erkennt man eine hässliche Kamera, die alle Szenen verwackelt, nicht belichtet, nicht scharf stellt, aber genau dies lässt ihn so unerbittlich real und eindringlich wirken. Die Inszenierung und das Szenenbild ist geschaffen für Ausnahmefilme wie diesen. Es lässt einen die volle Zeit das Blut in den Adern gefrieren. Es ist so eine fiese Szene, wie der Hauptdarsteller ganz normal aufsteht und so tut als würde er irgendeinen Witz erzählen und dabei so heftiges Schicksal vorträgt. Danach habe ich echt nur noch gezittert und gebangt wie die Geschichte weitergehen wird. Es wird weiterhin als wäre nichts passiert - gesungen, geklatscht, getrunken. Jedoch bleibt eben noch der eine Satz hängen und so schleppt man einen Film lang ein böser Hintergedanke, der die Stimmung des Festes massiv beeinflusst und wenn dann Ulrich Thomson das zweite und dritte Mal das Glas hebt, ist man nur noch verstört. So geht der Film dann auch intensiv ins Finale und verlangt einiges vom Zuschauer ab. Dieser wird aber mit einem der wohl packendste, gewagtesten und interessantesten Filme, die es je gab belohnt. Die Darsteller sind auch alle ganz großartig besonders Ulrich Thompson, der mir schon in "Brothers" zeigen konnte, was er drauf hat, ist eine absolute Wucht.
Zum Schluss muss ich nur noch meinen Dank an Thomas Vintenberg bedanken, dass er sich an diese extrem schwierige Geschichte ran getraut hat. Danke für dieses Meisterwerk!

Sonntag, 13. Mai 2012

Videodrome

Videodrome (David Cronenberg, 1983)

Der König aller postmodern daherkommenden Medien-Splatter-Filmen. Kritik an Medien ist berechtigt und deswegen immer hochinteressant zu beobachten. Diese berichten am liebsten von der Zukunft und wollen es zeigen, wie weit es kommen könnte. Wenn alte Filme dies und clever durchdacht vorführen, könnte es sein, dass sie sich zu zeitlosen Meisterwerken entwickeln und genau das ist "Videodrome" (nicht). Manchmal ist er viel zu überdreht und blutig, dass man meinen könnte, dass das ganze doch irgendwie fast schon nur noch nach Aufmerksamkeit und Tabu-Bruch kreischt. Nur ist der Film um ihn darauf zu reduzieren dann immer noch von seiner eigenen komplexen, außergewöhnlichen Story her schon viel zu gut, von den Schauspielern zu glaubhaft, von dem Drehbuch mit unglaublichen Wendungen, zu überraschend. Sprich: Er ist mehr als eine Satire, die uns mit dem Zeigefinger wedelnd vorhält, was alles durch den bösen Fernseher noch passieren kann. Es ist ein revolutionärer Science-Fiction-Film, dessen splatterige Brutalität ihn zu einem unglaublich verstörenden Erlebnis macht, was Szenen hat, bei denen ich echt - selbst für die Verhältnisse Cronenberg-Films - unendlich weit die Augen aufhatte. Ich weiß, man versucht ja mit 10er-Wertungen nicht so um sich hauen. Aber hier ist einfach nichts, was ich auch nur bemängeln könnte, selbst wenn ich dazu gezwungen werden würde. So unendlich fasziniert war ich. Ein extrem schlaues und böses Meisterwerk über die menschliche Anziehung von medialer Nacktheit und Gewalt. Ist durch und durch überirdisch großartig. 

Dogtooth








Kynodontas (Giorgos Lanthimos, 2009)

"Kynodontas" ist ein Film, der (im wahrsten Sinne das Wortes) seine ganz eigene Sprache spricht. Ein verstörendes Werk, über eine von der Aussenwelt völlig abgeschottete Kindheit. Manchmal fliegt vielleicht ein Flugzeug vorbei, aber das ist angeblich nur ein Spielzeuge, was das Kind nicht verdienen. Manchmal schleicht eine Katze über den Weg, aber das ist (wie auf dem Cover beschrieben) das gefährlichste Wesen überhaupt. 

Es gibt viele Szenen in diesem, die man wiederholen möchte, um das gesehene auf der Leinwand zu erfassen. Irgendwie muss man sich erstmal in diese Situation, diese ganze Geschichte erstmal reinversetzen. Ein ganz außergewöhnliches Werk. Die Dialoge hatten auf mich irgendwie einen ganz eigenartige, aber irgendwo auch real eingehende Wirkung. Es dauert immer lange bis einer antwortet. Generell hat man die ganze Laufzeit über nie das Gefühl, dass irgendetwas (gewollt) überzogen wirkt, obwohl es hier schon einige bizarre Momente und Handlungsverläufe gibt. Da wäre z.B. das Austauschen von "Lecken" gegen Sachen wie Haar-Reifen, Gel oder Bücher zu erwähnen. Mit ein Grund für die durchgängige Glaubwürdigkeit dürfte wohl sein, dass es "Kynodontas" großartig umgeht das ganze Szenario aufklären zu wollen oder gar eine Flucht aus dieser kleinen Welt darzustellen, was dem Film möglicherweise dies völlig entrissen hätte. Jedoch schafft er es nicht, dass die Charaktere und die Geschichte einem richtig nahegeht, was aber nicht heißt, dass er einen nicht mitnimmt, was wohl an dem Stück schwarzen Humor liegt, der ihn ein bisschen sperrig macht. Dennoch gelingt es dem Film einige Elemente in die Geschichte zu packen. So ist "Kynodontas" für mich ein ungewöhnliches, chaotisches, polarisierendes Kunstwerk gelungen, was man dem einem empfehlen kann und wovon man dem anderen dringend abraten sollte. 

Adaption

Adaption (Spike Jonze, 2002)

Hinreissender, feingeistiger und skurriler Tiefsinn. 


Das Selbstwertgefühl geht flöten. Die Probleme die du in dir siehst, sieht kein anderer Mensch. Du hasst dich, andere lieben dich. Dich langweilen deine Romane und Erfolge, andere vergöttern dich dafür. Du beschließt deinen Hass mit in´s Buch zu schleppen. Du bist kahlköpfig, dick, veraltet und diese Depressionen sieht nichtmal dein dir äußerlich ähnlicher Zwilling. Du ratterst drauf los wie es dir passt in deinem unverkennbaren Schreibstil. Was dann passiert sage ich mal nicht und was darauf folgt ist dazu auch ganz große klasse, sowie der gesamte Film.
Zum einen wird brillant gezeigt, dass es immer mehr auf die innere Einstellung ankommt wie man sich fühlt. Während Charlie schlaff, bedrückt und niederträchtig an seinem Roman textet, sieht man Donald hellauf begeistert, wie er anfängt Bücher zu schreiben. Dabei nervt er auch nicht mit "Immer positiv denken"-Plattitüden. Zum anderen vergisst er nicht, dass wir alle irgendwann mal - in einem Teil unseres Lebens (etwas) depressiv sind, was aber auch nicht heißt, dass es nicht wahr ist, dass wir zu gar nichts mehr im Stande sind. Dieses systematische kann mir jemand ein bisschen Mitleid spendieren-Zeugs wird dabei glücklicherweise in Ruhe gelassen. Ein glaubhaftes und ehrliches Feeling. Viel Menschlichkeit. Man geht im ernsten Stil mit passend eingesetztem Charme an die Sache. Man hört einem interessanten und entspannten Off-Kommentar Interesse weckend zu. Der Soundtrack lässt einen genüsslich in diese verträumte, interessante und selbstkritische Miene eines Charlie Kaufman einsteigen. Nicholas Cage zeigt obendrein was er kann wenn er mehr tut als nur seine Schulden abzahlen zu wollen. Eine - wie immer wenn er will - Top-Leistung.
Die Geschichte ist durch und durch komplex. Außerdem schön knifflig. Man spürt, dass man hier eine brillante Vorlage hatte, bei der es ein leichtes gewesen ist, daraus einen grandiosen Film zu machen. Der Humor ist schön schwarz gehalten. Die Wendungen sind absurd sowie schwer erdenklich und dennoch glaubhaft. Charaktere werden interessant ausgearbeitet. Chris Cooper hat übrigens für seine ebenfalls kongeniale Vorstellung verdient den Oscar eingeheimst, was mir zufriedenstellenderweise zeigt, dass der Film seine gerechte Beachtung durchaus bekam. Wobei ich finde, dass besonders Cage, der hier immerhin 2 Typen, die sich äußerlich ähnlich sind zu charakterisieren, da sie sich darin klar unterscheiden.
Letztendlich kann ich jeden diesen Film empfehlen. Er ist fürs Herz, fürs Hirn, für die Sinne, zum lachen, zum weinen. Genial strukturiert und wunderbar gespielt.

Eyes Wide Shut

Eyes Wide Shut (Stanley Kubrick, 1999)


„I think you forgot the mask“ 


Augen zuhalten. Maske anlassen. Nicht mehr man selbst sein. In die Orgie verfallen. Tanz zwischen Traum, Deutung und Realität. Kampf gegen Depression. Kampf gegen Paranoia. Kampf gegen Lust. Moment mal! Wie hat denn alles angefangen? Nun ungefähr so wie es Kubrick gerne macht: „Ganz normal.“ Man lässt uns erstmal auf eine normal geführte Ehe schauen. In eine Feier einweihen. Die Ehe ist offen. Zu offen? Zu geheimnisvoll? Zu verführerisch und locker? Oder doch so selbstverständlich, dank der guten 9 Jahre? Ich wurde schnell unsicher. Voller Symbolik. Voller Doppelbödigkeit. Von Szenen überfüllt die mit ungeheure Faszination, interessanter Thematik, mutiger Intimität und nicht zu letzt dem erstklassigen Pianosound in den Bann ziehen. Kubrick pur. Zum letzten. Ein Vermächtnis. Eine Offenbarung. 


Samstag, 12. Mai 2012

Drive

Drive (Nicholas Winding Refn, 2011)

„Drive“ ist eine fast schon empörend schicke und atemberaubende L.A.-Odyssee der 80er. Diese wird getragen von einer Kinematographie, die jedem Freund von inszenatorischer Perfektion feuchte Träume beschert und perfekt daran erinnert, was Kino erreichen kann und wie es mit jedem „Fast and Furious“ unter seinen Möglichkeiten bleibt. Hier wird ein Thriller mit einer recht alten Handlung zu einer elektrisierenden Film-Erfahrung. Durch die langen Einstellungen, die angedeuteten Szenen, welche ohne Worte-Wechsel stattfinden nimmt man einfach Teil an den Charakteren und der Geschichte. Es beweist, dass man CGI nicht braucht und nie gebraucht hat um aus dem Zuschauer zu bewegen. Action wird selten eingesetzt, aber wenn sie kommt ist es zum perfekten Zeitpunkt (Stichwort: Kussszene), am perfekten Ort und in seiner perfekt eingesetzten Dosierung wie ein Traum. Die Kamera zieht zumeist durch lange Straßen, blitzende, blinkende Wolkenkratzern, Fahrstühlen, dunkele Korridoren und pendelt dann wieder durch Straßen und Hochhäusern Hin und Her. Dies zieht sich in voller Laufzeit durch Refn´s Neo-Noire. Doch dann bleibt diese immer einer Stelle kleben. Nämlich da wo Gosling steht. Ryan Gosling, der seine Skorpion-Jacke trägt. Ryan Gosling, der seine Handschuhe trägt. Ryan Gosling, der an Zahnstochern kaut. Ryan Gosling, der durch die Nacht fährt. Ryan Gosling, der zumeist still bleibt und dann im nötigsten Moment blitzschnell (mit dem Hammer) zupackt. Er hat es geschafft vom Schönling aus Filmen wie „The Notebook“ zu einem der coolsten von diesen wortkargen, fremden Fahrern zu werden. Sein Charakter ist so fantastisch eingefangen und gemimt. Man könnte ihm Stunden zugucken, wie durch die Nacht oder den Tag fährt. Wie er für Filme Stunts macht, wie er lacht-whatever? Der Soundtrack ist durch und durch unglaublich und bringt eine einzigartige, unnachahmliche Stimmung. Der Score von Cliff Martinez macht da ebenfalls alles richtig und untermalt zauberhaft die passende Stimmung.
Ein Film, wie gemalt, wie er erträumt und dann auch noch der erste, den ich dieses Jahr gesehen habe. Pures Aufsaugen, unvermeidbar. Ein Augenschmaus. Ein Genuss für die Ohren. Für alle Sinne. So schnell wie möglich noch einmal oder gleich dreimal. Ich hab das schon lange nicht mehr gesagt: Was für´n geiler Streifen!

Barry Lyndon

Barry Lyndon (Stanley Kubrick, 1975)

Es ist überaus bemerkenswert zu sehen, wie drei Stunden Laufzeit sich doch für einen Film lohnen können. Selten erlebt man so ein eindringliches, tiefes und monumentales Zeit-Porträt wie „Barry Lyndon“. Kubrick lässt vorbildlich vielfältiges Erzählen und gewaltige Bildersprache ineinander fließen. Die prachtvollen, glänzenden Bilder wirken fast so, als würde man „2001“ mit straighter Struktur erleben. Das ganze ist akustisch Weltklasse unterlegt und ein wahrer Genuss. Doch trotzdem wird dabei nicht das Erzählen vergessen. Die Erzählung geht eben in glamourösen Bildern von statten. Im Vordergrund steht hier der Fall und Aufstieg des titelgebenden Barry Lyndon, welcher in zwei Abschnitte gegliedert ist. Die Charakter-Darstellung des Hauptdarstellers ist äußerst authentisch und toll, da Kubrick ist schafft, dass man sich selber Gedanken zu dem Handeln Protagonisten machen kann. Teils leidet man mit ihm und teils verachtet man ihn, doch man ist an seinem Schicksal stehts interessiert. Der Aufstieg ist ein weiter, mühsamer Gang, weg von seiner Heimat, vorbei an der britischen Armee bis man irgendwo auf dem Thron sitzt (genauer sollte/will/muss ich das jetzt nicht ausführen), während es zum Schluss in der letzten Stunde schnell, aber gezielt von Schlag auf Schlag bergab geht. So wird Kubrick´s „Barry Lyndon“ kraftvolles Erzählkino pur, was trotz seiner gemäldehaften Inszenierung absolut glaubhaft erscheint und eine für Kubrick sehr emotionale Ebene bietet.

Mysterious Skin

Mysterious Skin (Gregg Araki, 2004)


Immer wieder blicke ich hinab auf diese letzte Einstellung des Films, wie die Kamera noch einmal nach oben hochfährt, während die beiden Jungs, dessen schreckliche Schicksale nun dem einen bewusst wurden und der andere ein furchtbares Gewissen hat, da sitzen, aber dabei keiner weiß, was er nun noch sagen, geschweige denn tun kann. "Mysterious Skin" ist ein purer Gänsehaut-Film, der mit so viel Ehrlich- und Menschlichkeit inszeniert ist, dass endlos nahegeht. In jeder Sekunde vollkommen einfühlsam, fantastisch unterlegt und schon ab dem Beginn ziemlich fesselnd. Auch schauspielerisch bekommt man einiges geboten. Über Joseph Gordon Levitt muss man eigentlich keine Worte mehr verlieren. Was er hier abliefert ist so perfekt charakterisiert. Seine zerbrochene Figur, die vollkommen der Liebe seines Freundes aus dem Weg geht und sich auf den Strich förmlich quält. Vor allem diese Szenen sind endlos unangenehm, aber dabei auch vollkommen zurückhaltend inszeniert. Man zeigt hauptsächlich immer nur die Gesichter der Darsteller und trotzdem ist es ziemlich harter Tobak und wenn er dann vergewaltigt wird, ist das wirklich kaum mit anzusehen. Übrigens bleibt das Besondere an „Mysterires Skin“ auch, dass er sich keinesfalls davor schert etwas zu zeigen, dabei aber jeder Spur von Provokation, die man bei Filmen aus dem Störkanal ja gerne mal bekommt, aus dem Weg geht. Diese würde nämlich die Emotionen, die dieser Film mit sich bringt wahrscheinlich völlig ersticken lassen. So ist „Mysteries Skin“ ein gigantisch sensibles, tragisches, sprachlos zurücklassendes Meisterwerk, was so intensiv wie intim ist und sich auf den Umgang der beiden Jungen auf ihren sexuellen Missbrauch fixiert und dem Zuschauer dies unglaublich packend mitfühlen lässt. Großer, großer Film! 

„I wish there was some way for us to go back and undo the past. But there wasn't. There was nothing we could do. So I just stayed silent and trying to telepathically communicate how sorry I was about what had happened.“ 

Dienstag, 8. Mai 2012

Sieben

Se7en (David Fincher, 1995)
Es ist eine dicht und auf´s brutalste umkämpfte Welt in der wir leben, doch man weiß gar nicht wofür eigentlich nun gekämpft wird. Dauernder Regen. Fette Typen, die einem im Restaurant den Appetite verderben. Betrügende Anwälte. Es könnte kaum schlimmer sein. An uns ziehen seit Jahren tagtäglich Todsünden vorbei und wir nehmen es hin, weil wir es nicht anders kennen. Nur wenn ein paar den Tod vor sich selbst sieht, wird man aufmerksam. In der Zeitung, im TV hört und liest man scheinbar sowieso nichts anderes müssen die Menschen erst mit dem Vorschlaghammer getroffen werden, bevor sie wirklich aufmerksam auf Verbrechen gemacht werden. Ein sensationelles Drehbuch, was einen mit Wendungen, Symbolik und Dramatik die volle Laufzeit mitfiebern lässt. Die Morde, die hintereinander folgen und geklärt werden reichen hier für den stilbildenden Horror-Anteil des Films. Denn allein schon das ewige Herumschleichen um den (natürlich) abgedunkelten oder abgedeckten Tatorte, die einen in ein paar Szenen regelrecht traumatisieren. Man denke nur [SPOILER] an den Mann der auf dem Bett liegt und aufeinmal doch noch lebt. [SPOILER ENDE] Das ist eine der Szenen, wo ich mir immer wieder die Augen zuhalten will. Das ist auch bei den nächsten Sichten so. Besonders durch das Vorwissen wird dies das ein oder andere mal noch schlimmer. Auch die Figuren werden unfassbar in die Geschichte mit eingebracht. Morgan Freeman verkörpert den alten Hasen, der schon längst sich mit dieser Welt abgefunden hat und froh ist davon durch die Pensionierung wieder Abstand zu haben. Brad Pitt ist der junge wilde, der erst jetzt den Blick als Cop in die pessimistische Welt reinsieht, in die uns David Fincher reinführt. Er denkt sich bei den Morden nicht viel und beschreibt den Mörder ganz einfach als verrückt. Das Ende ist - wie man liest - für einige scheinbar absehbar, was mir nicht so ging, aber davon mal abgesehen. Selten so was dramatisches, nervenkitzelndes und dann auch noch so konsequentes gesehen. Spannender, brutaler und drastischer geht es nicht. Selbst dem zuvor die Spannung anheizenden Dialog im Auto, der schon an sich 11 Punkte verdient, wird noch einmal das ein Sahnehäubchen oben drauf gelegt. Fincher hat ein Meisterwerk meisterhaft inszeniert und einen Film geschaffen, der so ausgeklügelt, unberechenbar und formvollendend wie sein Killer ist, dessen wahres Ich mich beim ersten Mal wirklich vom Hocker gestoßen hat.

Boulevard Der Dämmerung

Sunset Boulevard (Billy Wilder, 1950)

Hollywood ist es. Das Ziel. Das größere Ziel: Der Ruhm. Der Ruhm wie er auf einen zukommt und man ihn in jeder Sekunde geniest und in sich aufsaugt. Es ist der Thron. Aber nicht Thron auf dem man sich ewig niederlassen kann und will. Man will das ganze öfter und immer wieder haben und landet jedoch schneller in Vergessenheit, als wie man die Hand zum zurückwinken der Fans erhoben hat. Aber mal davon abgesehen. "Sunset Boulevard" ist nicht bloß ein Film über Aufstieg und Fall. Es ist eine komplexe Satire, die es in gerade mal weniger als zwei Stunden schafft uns Hollywood in aller Schön- und Hässlichkeit nahe zubringen. "Sunset Boulevard" ist ehrlich, kritisch, selbstkritisch, boshaft, künstlerisch, pointiert, tragisch, ernst, komisch und einfach so ein komplexes, genial strukturiertes, perfekt-unaufdringlich inszeniertes in den Bann ziehendes und niederdrückendes, unfassbares Meisterwerk. Kino von seiner allergrößten Sorte. Ein wichtiger und heute immer noch so genialer mit Spannung zu diskutierender Film.

Blutgericht in Texas

The Texas Chainsaw Massacre (Tobe Hooper, 1974)

Die Hitze brütet in Texas trostlos vor sich hin, alles scheint ausgestorben, während sich ein Van mit quatschenden Teenagern um die Straße durch diese Gegend schleicht und man im Hintergrund noch das Radio hört. Dabei werden die Figuren vorgeführt, die einem sowohl äußerlich als auch von den Dialogen her vertraut vorkommen und genau die Figuren bilden, die man schon meint in jedem Horrorfilm unterm Messer liegen gesehen zu haben. Natürlich etwas overacted, natürlich keine großen Sympathisanten, aber diesen geballten, doch nahegehenden und erschreckenden Terror, der einem hier vorgesetzt wird wünscht man echt niemanden. Durch die flirrende Musik, die vielen Nahaufnahmen und das Rein-gezoome lässt der Film einen nie kalt. "The Texas Chainsaw Massacre" ist wirklich brutal, wird dadurch, dass man nicht so viel zeigt außerdem noch einmal schmerzvoller wird. Die Szene mit dem Fleischerhaken z.B. wollte, wie ich las, Hooper vorerst deutlich blutiger gestalten, bevor ihm der Tipp gegeben wurde, dass die Szene so wie sie jetzt ist doch wirkungsvoller sei. Besonders beeindruckt hat mich nicht zuletzt das unglaublich gruselige Setting in dem Haus voller Skelette und Tierkadaver. Das Finale geht dann nach dem langsamen und atmosphärischen Aufbau mit dem ersten Verschwinden mit dem Personen wirklich dramatisch, schockierend und dabei noch ordentlich langgezogen und davon jedoch jede Sekunde voll ausnutzend, weil absolut spannungsgeladen von statten, was mit dem wütenden Hinterhergefuchtel mit der Kettensäge des Leatherface würdigungsvoll ausklingt und diese Intensität mit einigen wirklich starken Bildern nicht aus dem Kopf des Zuschauers gehen wird. Einer der faszinierendsten und visionärsten Schocker, die ich bisher gesehen habe.

Montag, 7. Mai 2012

Uhrwerk Orange


Clockwork Orange (Stanley Kubrick, 1971)

Kubrick's bizarre Zukunfts-Vision fällt vor allem durch ihre durchgängig gewordene Offenheit der Gesellschaft auf, in der alle Räume geradezu gefüllt mit Skulpturen und Malereien von sexistischen Motiven sind. Dieser Offenheit schliesst sich Kubrick in seinem Film nahtlos an und es gibt nicht viel, was man sich nicht traut zu zeigen und Er sich absolut nicht davor scheut selbst Gewalt deftigster Sorte ins Groteske zu ziehen. Stark gelingt es ihm die außergewöhnliche Wortwahl zu realisieren, die sich nicht nur in dem jugendlichen Sprachgebrauch zu finden ist, sondern sich scheinbar jeder Mensch daran gewöhnt hat seine Freunde mit einem „Hi, Hi, Hi“ zu begrüßen oder Situationen mit einem „Welly, welly, well“ zu entspannen.

Interessant bleibt zu jeder Zeit die Charakterisierung von Alex. Schafft es Kubrick ihn in der ersten Hälfte, als wahnsinnigen, hassenswerten, verdorbenen, sich in der Gewalt und Zerstörung vollkommen eingelullten und davon nicht mehr wegkommenden Teenager zu degradieren, erwischt man sich in der Zweiten Hälfte dabei für ihn Mitleid zu verspüren. Hiermit beweist sich die mediale Kraft den Zuschauer mit Handlungssträngen umzudenken und zu manipulieren, wie das in der Mitte laufende Experiment es mit Alex anstellt. Der Zweite Teil zeigt die logische Konsequenz vom Fehlen des freien Willens. Sie stellt seine Zukunfts-Vision nun endgültig ins Dunkele, da dort scheinbar kein Leben ohne selber Gewalt anzuwenden, möglich ist. (SPOILER) Das Ende ist die bitterböse Krönung des Ganzem und wirft ein Auge auf das vertuschen und schnelle Verzeihen eines schwachsinnigen Labor-Experiments und dass sich für das „Opfer“ keiner mehr schert, obwohl dieser schon längst nicht mehr das ist was er gerade noch war und wie dies und all zuvor geschehen Ereignisse vertuscht werden.(SPOILER ENDE)
Kubrick beweist sich in diesem Film als absoluter Meister der Szenerie. Er versteht es förmlich Musik im Einklang mit frischen, bunten Bildern zubringen. Das Setting des Film besteht in jedem Fall immer aus knackigen Farben, die in ihrem markanten Ton immer perfekt in jene Szene passen und aus ihr das Maximum rausholen. Sodass ein ruhiger, abschliessender Abend mit Beethoven-Musik perfekt dessen passendsten Symbole für die Untermalung vor Augen geführt wird. Sodass eine „Einladung“ zu einem der spaßigsten Zeit-Raffer-Sequenzen ever wird. Sodass eine Vergewaltigung ihren Einklang mit Gesinge findet, aber trotzdem nicht minder verstörend ist.
Ein Film, der allein audiovisuell eines der stärksten Werke ist, die man je sehen wird. Dem es gelingt den Zuschauer für zwei Stunden sich mit einer Figur zu beschäftigen. Dem es gelingt, dass ich bei der ersten Sicht eher verstört und bei der zweiten Sicht doch eher belustigt bin. Dem es gelingt etwas zu wagen, viel zu zeigen und einen mit einem leicht erbitterten und belustigten Lächeln den Abspann belächeln zulassen. Einer der besten Kubrick‘s, okay das sagt man sowieso zu jedem zweiten seiner Filme.


Blade Runner

Blade Runner (Ridley Scott, 1982)

Bereits die ersten Bilder lassen meine Augen feucht werden, doch im nächsten Moment steht man mitten im kalten, futuristischen Los Angeles, dessen starker Regen jede Träne aus meinem Gesicht wischt. „Blade Runner“ ist der Film, der uns fragt was uns Menschen nun eigentlich zum Menschen macht. Der Film, der uns fragt, was wir eigentlich mit „menschlichem“ Verhalten meinen, wenn wir jede andere Art von Leben von unserem Planeten verbannen und inzwischen eine Welt erschaffen haben, in der jegliche Art von Licht und Freude unseren Planeten verlassen hat und unsere Welt; die mehr und mehr wird, wie es uns Ridley Scott hier prophezeite, ist voller Maschinen, Werbeschilder gefüllt und überhaupt wirkt in diesem Film jegliches Detail seiner Zukunfts-Version ordentlich aufgemotzt und technifiziert im ungemütlichen, aber zugleich für den Zuschauer vollkommen ansehnlichen und schlicht atemberaubenden Sinne. Der am besten und detailliertesten aufgestylte Film-Noir aller Zeiten und für mich DER Science-Fiction-Film. Wird durch den großartigen Score von den Vangelis regelrecht zur audiovisuellen Erfahrung. Schon drei mal in kürzester Zeit gesehen und immer entdeckt man was neues. Immer bekome ich beim Finale eine Gänsehaut. Unglaublich was Ridley Scott hier mit „Alien“ und eben „Blade Runner“ direkt nacheinander angefangen hat und wie sehr er sich diesen Ruf mehr und mehr in den letzten Jahren zerstört hat. Aber diese zwei Werke machen ihn doch zu einem, den man nie unerwähnt lassen wird. Zumindest wenn es um zwei visionäre Filme geht!