Dienstag, 8. Mai 2012

Sieben

Se7en (David Fincher, 1995)
Es ist eine dicht und auf´s brutalste umkämpfte Welt in der wir leben, doch man weiß gar nicht wofür eigentlich nun gekämpft wird. Dauernder Regen. Fette Typen, die einem im Restaurant den Appetite verderben. Betrügende Anwälte. Es könnte kaum schlimmer sein. An uns ziehen seit Jahren tagtäglich Todsünden vorbei und wir nehmen es hin, weil wir es nicht anders kennen. Nur wenn ein paar den Tod vor sich selbst sieht, wird man aufmerksam. In der Zeitung, im TV hört und liest man scheinbar sowieso nichts anderes müssen die Menschen erst mit dem Vorschlaghammer getroffen werden, bevor sie wirklich aufmerksam auf Verbrechen gemacht werden. Ein sensationelles Drehbuch, was einen mit Wendungen, Symbolik und Dramatik die volle Laufzeit mitfiebern lässt. Die Morde, die hintereinander folgen und geklärt werden reichen hier für den stilbildenden Horror-Anteil des Films. Denn allein schon das ewige Herumschleichen um den (natürlich) abgedunkelten oder abgedeckten Tatorte, die einen in ein paar Szenen regelrecht traumatisieren. Man denke nur [SPOILER] an den Mann der auf dem Bett liegt und aufeinmal doch noch lebt. [SPOILER ENDE] Das ist eine der Szenen, wo ich mir immer wieder die Augen zuhalten will. Das ist auch bei den nächsten Sichten so. Besonders durch das Vorwissen wird dies das ein oder andere mal noch schlimmer. Auch die Figuren werden unfassbar in die Geschichte mit eingebracht. Morgan Freeman verkörpert den alten Hasen, der schon längst sich mit dieser Welt abgefunden hat und froh ist davon durch die Pensionierung wieder Abstand zu haben. Brad Pitt ist der junge wilde, der erst jetzt den Blick als Cop in die pessimistische Welt reinsieht, in die uns David Fincher reinführt. Er denkt sich bei den Morden nicht viel und beschreibt den Mörder ganz einfach als verrückt. Das Ende ist - wie man liest - für einige scheinbar absehbar, was mir nicht so ging, aber davon mal abgesehen. Selten so was dramatisches, nervenkitzelndes und dann auch noch so konsequentes gesehen. Spannender, brutaler und drastischer geht es nicht. Selbst dem zuvor die Spannung anheizenden Dialog im Auto, der schon an sich 11 Punkte verdient, wird noch einmal das ein Sahnehäubchen oben drauf gelegt. Fincher hat ein Meisterwerk meisterhaft inszeniert und einen Film geschaffen, der so ausgeklügelt, unberechenbar und formvollendend wie sein Killer ist, dessen wahres Ich mich beim ersten Mal wirklich vom Hocker gestoßen hat.

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