Montag, 7. Mai 2012

Uhrwerk Orange


Clockwork Orange (Stanley Kubrick, 1971)

Kubrick's bizarre Zukunfts-Vision fällt vor allem durch ihre durchgängig gewordene Offenheit der Gesellschaft auf, in der alle Räume geradezu gefüllt mit Skulpturen und Malereien von sexistischen Motiven sind. Dieser Offenheit schliesst sich Kubrick in seinem Film nahtlos an und es gibt nicht viel, was man sich nicht traut zu zeigen und Er sich absolut nicht davor scheut selbst Gewalt deftigster Sorte ins Groteske zu ziehen. Stark gelingt es ihm die außergewöhnliche Wortwahl zu realisieren, die sich nicht nur in dem jugendlichen Sprachgebrauch zu finden ist, sondern sich scheinbar jeder Mensch daran gewöhnt hat seine Freunde mit einem „Hi, Hi, Hi“ zu begrüßen oder Situationen mit einem „Welly, welly, well“ zu entspannen.

Interessant bleibt zu jeder Zeit die Charakterisierung von Alex. Schafft es Kubrick ihn in der ersten Hälfte, als wahnsinnigen, hassenswerten, verdorbenen, sich in der Gewalt und Zerstörung vollkommen eingelullten und davon nicht mehr wegkommenden Teenager zu degradieren, erwischt man sich in der Zweiten Hälfte dabei für ihn Mitleid zu verspüren. Hiermit beweist sich die mediale Kraft den Zuschauer mit Handlungssträngen umzudenken und zu manipulieren, wie das in der Mitte laufende Experiment es mit Alex anstellt. Der Zweite Teil zeigt die logische Konsequenz vom Fehlen des freien Willens. Sie stellt seine Zukunfts-Vision nun endgültig ins Dunkele, da dort scheinbar kein Leben ohne selber Gewalt anzuwenden, möglich ist. (SPOILER) Das Ende ist die bitterböse Krönung des Ganzem und wirft ein Auge auf das vertuschen und schnelle Verzeihen eines schwachsinnigen Labor-Experiments und dass sich für das „Opfer“ keiner mehr schert, obwohl dieser schon längst nicht mehr das ist was er gerade noch war und wie dies und all zuvor geschehen Ereignisse vertuscht werden.(SPOILER ENDE)
Kubrick beweist sich in diesem Film als absoluter Meister der Szenerie. Er versteht es förmlich Musik im Einklang mit frischen, bunten Bildern zubringen. Das Setting des Film besteht in jedem Fall immer aus knackigen Farben, die in ihrem markanten Ton immer perfekt in jene Szene passen und aus ihr das Maximum rausholen. Sodass ein ruhiger, abschliessender Abend mit Beethoven-Musik perfekt dessen passendsten Symbole für die Untermalung vor Augen geführt wird. Sodass eine „Einladung“ zu einem der spaßigsten Zeit-Raffer-Sequenzen ever wird. Sodass eine Vergewaltigung ihren Einklang mit Gesinge findet, aber trotzdem nicht minder verstörend ist.
Ein Film, der allein audiovisuell eines der stärksten Werke ist, die man je sehen wird. Dem es gelingt den Zuschauer für zwei Stunden sich mit einer Figur zu beschäftigen. Dem es gelingt, dass ich bei der ersten Sicht eher verstört und bei der zweiten Sicht doch eher belustigt bin. Dem es gelingt etwas zu wagen, viel zu zeigen und einen mit einem leicht erbitterten und belustigten Lächeln den Abspann belächeln zulassen. Einer der besten Kubrick‘s, okay das sagt man sowieso zu jedem zweiten seiner Filme.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen