Sonntag, 13. Mai 2012

Adaption

Adaption (Spike Jonze, 2002)

Hinreissender, feingeistiger und skurriler Tiefsinn. 


Das Selbstwertgefühl geht flöten. Die Probleme die du in dir siehst, sieht kein anderer Mensch. Du hasst dich, andere lieben dich. Dich langweilen deine Romane und Erfolge, andere vergöttern dich dafür. Du beschließt deinen Hass mit in´s Buch zu schleppen. Du bist kahlköpfig, dick, veraltet und diese Depressionen sieht nichtmal dein dir äußerlich ähnlicher Zwilling. Du ratterst drauf los wie es dir passt in deinem unverkennbaren Schreibstil. Was dann passiert sage ich mal nicht und was darauf folgt ist dazu auch ganz große klasse, sowie der gesamte Film.
Zum einen wird brillant gezeigt, dass es immer mehr auf die innere Einstellung ankommt wie man sich fühlt. Während Charlie schlaff, bedrückt und niederträchtig an seinem Roman textet, sieht man Donald hellauf begeistert, wie er anfängt Bücher zu schreiben. Dabei nervt er auch nicht mit "Immer positiv denken"-Plattitüden. Zum anderen vergisst er nicht, dass wir alle irgendwann mal - in einem Teil unseres Lebens (etwas) depressiv sind, was aber auch nicht heißt, dass es nicht wahr ist, dass wir zu gar nichts mehr im Stande sind. Dieses systematische kann mir jemand ein bisschen Mitleid spendieren-Zeugs wird dabei glücklicherweise in Ruhe gelassen. Ein glaubhaftes und ehrliches Feeling. Viel Menschlichkeit. Man geht im ernsten Stil mit passend eingesetztem Charme an die Sache. Man hört einem interessanten und entspannten Off-Kommentar Interesse weckend zu. Der Soundtrack lässt einen genüsslich in diese verträumte, interessante und selbstkritische Miene eines Charlie Kaufman einsteigen. Nicholas Cage zeigt obendrein was er kann wenn er mehr tut als nur seine Schulden abzahlen zu wollen. Eine - wie immer wenn er will - Top-Leistung.
Die Geschichte ist durch und durch komplex. Außerdem schön knifflig. Man spürt, dass man hier eine brillante Vorlage hatte, bei der es ein leichtes gewesen ist, daraus einen grandiosen Film zu machen. Der Humor ist schön schwarz gehalten. Die Wendungen sind absurd sowie schwer erdenklich und dennoch glaubhaft. Charaktere werden interessant ausgearbeitet. Chris Cooper hat übrigens für seine ebenfalls kongeniale Vorstellung verdient den Oscar eingeheimst, was mir zufriedenstellenderweise zeigt, dass der Film seine gerechte Beachtung durchaus bekam. Wobei ich finde, dass besonders Cage, der hier immerhin 2 Typen, die sich äußerlich ähnlich sind zu charakterisieren, da sie sich darin klar unterscheiden.
Letztendlich kann ich jeden diesen Film empfehlen. Er ist fürs Herz, fürs Hirn, für die Sinne, zum lachen, zum weinen. Genial strukturiert und wunderbar gespielt.

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