Festen (Thomas Vintenburg, 1998)
Ein Mann steht auf und hält zwei Karten in der Hand. Alle lachen locker. Er beginnt langsam. Das Gelächter wird lauter. Es beginnt auch lustig mit einer Kinder-Geschichte.
1 Minute später.
Das Lachen ist längst verstummt. Ein Mann steht auf klatscht und setzt sich sofort - peinlich berührt - wieder hin. Alle sind fassungslos keiner traut sich was zu sagen und genauso geht es mir in diesem Moment auch. Ich spule noch mal zurück und will wissen ob ich mich nicht doch verhört habe.
Wow. Das ist mal wieder eine dieser super-depressiven, morzspannenden, direkten und intensiven Perlen aus Skandinavien. DAS ist also wirklich Dogma. Das ist das erste Mal Dogma. Ich dachte Dogma wäre das kleine Gewackele von von Trier bei Filmen wie "Dogville". Aber nein, so muss das wirklich aussehen. Ist sogar noch großartiger. Zumindest in diesem Film. "Festen" ist - ganz ehrlich - einer der heftigsten Filme, die ich je gesehen habe. Bitter, bissig, böse, brutal, handfest, ehrlich, skrupellos, schonungslos, schmerzvoll, dogmatisch, morbide, durchdringend und einfach nur schockierend. Die wohl schrecklichste cineastische Entlarvung. Der Titel wirkt einladend doch schon beim ersten Bild erkennt man eine hässliche Kamera, die alle Szenen verwackelt, nicht belichtet, nicht scharf stellt, aber genau dies lässt ihn so unerbittlich real und eindringlich wirken. Die Inszenierung und das Szenenbild ist geschaffen für Ausnahmefilme wie diesen. Es lässt einen die volle Zeit das Blut in den Adern gefrieren. Es ist so eine fiese Szene, wie der Hauptdarsteller ganz normal aufsteht und so tut als würde er irgendeinen Witz erzählen und dabei so heftiges Schicksal vorträgt. Danach habe ich echt nur noch gezittert und gebangt wie die Geschichte weitergehen wird. Es wird weiterhin als wäre nichts passiert - gesungen, geklatscht, getrunken. Jedoch bleibt eben noch der eine Satz hängen und so schleppt man einen Film lang ein böser Hintergedanke, der die Stimmung des Festes massiv beeinflusst und wenn dann Ulrich Thomson das zweite und dritte Mal das Glas hebt, ist man nur noch verstört. So geht der Film dann auch intensiv ins Finale und verlangt einiges vom Zuschauer ab. Dieser wird aber mit einem der wohl packendste, gewagtesten und interessantesten Filme, die es je gab belohnt. Die Darsteller sind auch alle ganz großartig besonders Ulrich Thompson, der mir schon in "Brothers" zeigen konnte, was er drauf hat, ist eine absolute Wucht.
Zum Schluss muss ich nur noch meinen Dank an Thomas Vintenberg bedanken, dass er sich an diese extrem schwierige Geschichte ran getraut hat. Danke für dieses Meisterwerk!

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