Sonntag, 20. Januar 2013

The Face of Another


Tanin no kao  (Hiroshi Teshigahara, 1966)
Eine Maske verändert nicht bloß das Äußere. Ein entstelltes Gesicht will versteckt werden, ein verstecktes Gesicht grenzt einen von dem Umfeld ab und ein neues Gesicht macht einen tatsächlich zu einem neuen Menschen. Die Frage, die im Raum stehen bleibt ist, ob man meint man muss selber seinen Charakter an sein Gesicht anpassen oder ob das Aussehen uns Menschen selber unbewusst lenkt und im denken und tun beeinflusst. Dass es in "The Face of Another" um den Wechsel und das Verlieren einer Identität geht, ist insofern interessant, weil sich dies erstens perfekt auf den heutigen Zeitgeist übertragen lässt und zweitens der Verlust einer Identität im Gegensatz zu "The Woman of Dunes" nicht durch Einsamkeit und Zwang erfolgt, sondern man gewillt ist sich in einer Großstadt mit dem Rest der Menschen gleichzutun. Das wird gut gezeigt durch die vielen Aufnahmen von Massen, unter denen sich auch der Hauptprotagonist nun problemlos einordnen kann. Dabei wird noch eine zweite Parallelhandlung in den Raum geworfen, die sich mit einer Person mit einem ähnlichen Leiden, wie die sonst den Film tragende Figur. Eine Frau, deren Gesicht zur Hälfte wunderschön ist, während das andere von Narben verziert ist, was sie auch von der Gesellschaft ausgrenzt und den Film mehr in eine sozialkritische Richtung lenkt. Auch sie versteckt dies, in dem sie ihre eine Hälfte mit ihren Haaren überdeckt. Die Kamera schwelgt dabei fast immer auf die schöne Seite der Frau und entlarvt den Zuschauer in der ersten Szene gelungen, in der sie sich umdreht. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir dabei ein Wortwechsel zwischen ihr und ihrem Bruder. "-Do I look pretty from this side? -Yes, you do. -How pretty? -Too pretty". Insgesamt ein durch und durch faszinierendes Stück außergewöhnliche und ziemlich experimentierfreudige Charakterstudie mit einem Ablauf, der immer gegen den Strich der Erwartungen zielt und auch gleichzeitig emotional entgegenkommend ist.

Montag, 7. Januar 2013

Sucker Punch


Sucker Punch (Zack Snyder, 2012)
Die erste Einstellung macht klar, dass wir hier die Bühne betreten. Das Intro führt die Story im Stile eines Musikvideos irrwitzig in die Grundlage aller absehbarer Klischees, die Emily Browning auf konstruierte Weise direkt zur Opferrolle, welcher der Zuschauer sklavisch Sympathie widmen soll, werden. Die in der Kinofassung rausgeschnittene Szene zeigt ziemlich gut die Bedeutung dieses (Meister)Werkes. Dass Unmengen an Geld in Filme investiert wird, so auch in diesen, aber dabei bekommen wir nichts wahres, sondern nur einen Haufen von fiktionalen Getöse. Der Film bietet das Übermaß an all dem, was das moderne Kino ausmacht: Einen Haufen voller CGI, Waffen, Kreaturen und leichtbekleidete Mädels. Dabei alles immer wieder in Slow-Motion. Aus weniger wird immer wieder mehr gemacht. Dabei ist dieser Film endlich mal ein konsequenter Overkill, der sich dessen komplett bewusst ist und dies kongenial als Persiflage verpackt. Und doch hat "Sucker Punch" auch inhaltlich immerhin faszinierende Kontroverse. Immerhin geht es in diesem Film auch um Mädchen in einer Anstalt, die vergewaltigt werden und jede Hoffnung eigentlich schon verloren haben. Sie haben alle Freiheiten verloren. Doch während Baby Doll in ihrer Phantasie die Phantasien der Kunden befriedigt, befriedigt sie ihren Wunsch frei zu sein und sich einfach durchkämpfen zu können. Sie begegnet einer Welt der Hoffnung. Denn wer hier einfach kämpft gewinnt, was auch in den meisten Actionfilmen der Fall ist. So bleibt Baby Doll immer noch die Hoffnung, dass sie sich in ihrer Parallel-Welt herausboxen kann, obwohl sie schon unmittelbar vor der Lobotomie steht.

Freitag, 4. Januar 2013

Audition


Ôdishon (Takashi Miike, 1999)


Selten habe ich mich einem Film so ausgeliefert gefühlt. Nicht nur, weil er so vertraut einem die Geschichte eines Liebe suchenden Mannes vorhält und so schön niedlich schüchtern den weiblichen Part beschreibt, aber trotzdem hatte ich durch latente Recherchen dieses böse Vorwissen, dass diese komplette Idylle in einem Albtraum endet. Dieser Hintergedanke ließ mich den kompletten Film über aus einer etwas gequälteren Sichtweise betrachten und so fühlt man am Ende dann tatsächlich auch mit dem Hauptdarsteller mit. Denn auch dieser scheint, wie es angedeutet wird, sich etwas Grausames vorgestellt zu haben. Es ist schwierig zu entscheiden, ob es nun schlimmer gewesen wäre, wenn ich auf grausame Weise von dem Film, so wie der Protagonist von der Wendung, überrollt worden wäre oder ob es schlimmer war mit dem Vorwissen, mit dem ich den Film leicht ängstlich betrachtete und meiner Vorstellung, was denn alles am Ende passieren könnte, freien Lauf lassen konnte und die Angst, die der Protagonist bei der bloßen eigenen Vorstellung verspürt, die dazu anreichen könnte ein Zusammenleben unmöglich zumachen, sowie es für mich unmöglich war die ruhigen Passagen am Anfang zu geniessen. Dabei muss ich auch noch sagen, so viel ich mir auch vorher unter alldem vorstellte: Ich war doch komplett geschockt. Allein aus dem Grund, dass der Film noch mal wunderbar Traumsequenzen bzw. Vorstellungen nacheinander auf effektive Weise abspult, um den Zuschauer mit einem noch dröhnenden Kopf erst einmal in eine verstörende Szene, die kein Ende nehmen will, zu drängen. Ein faszinierender Film, der am Ende perfekt vorgestellten und wirklichen Horror auf eine Stufe stellt.

Dienstag, 1. Januar 2013

Watchlist

Gesehen im Dezember 


Das Wort  8/10
(Carl Theodor Dreyer, 1955)

30 Minutes or Less  3/10
(Ruben Fleischer, 2011)

The Hunter  6/10
(Daniel Nettheim, 2011)

Final Destination 5  6/10
(Steven Quale, 2011)

Interiors  7/10
(Woody Allen, 1978)

Die Regenschirme von Cherbourg  7/10
(Jacques Demy, 1964)

Weiße Nächte  8/10
(Luchino Visconti, 1957)

Fahrenheit 451  5/10
(François Truffaut, 1966)

The Expendables 2  4/10
(Simon West & Sylvester Stallone, 2012)

Bonjour Tristesse  8/10
(Otto Preminger, 1958)

Gate of Flesh  5/10
(Seijun Suzuki, 1964)

Das Schweigen  8/10
(Ingmar Bergman, 1961)

House of 1000 Corpses  8/10
(Rob Zombie, 2003)

Die mit der Liebe spielen 9/10
(Michelangelo Antonioni, 1960)

All that Heaven allows  8/10
(Douglas Sirk, 1955)

Eine Frau ist ein Frau 7/10
(Jean-Luc Godard, 1961)

Jules und Jim  8/10
(François Truffaut, 1962)

Sisters  6/10
(Brian DePalma, 1973)

Freaks  7/10
(Tod Browning, 1932)

Possession  9/10
(Andrzeij Zulawski, 1981)

Auf Wiedersehen, Kinder  8/10
(Louis Malle, 1987)

Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß
(Jean-Luc Godard, 1967)

Sullivans Travel  7/10
(Preston Sturges, 1941)

Edward Scissorhands  8/10
(Tim Burton, 1990)

Schande  6/10
(Ingmar Bergman, 1968)

Laura  8/10
(Otto Preminger, 1944)

Ted  3/10
(Seth MacFarlane, 2012)

The Hobbit: An Unexpected Journey
(Peter Jackson, 2012)

Looper  7/10
(Rian Johnson, 2012)

Yi Yi - A One and a Two
(Edward Yang, 2000)

Tokyo Drifter  6/10
(Seijun Suzuki, 1966)

Rififi  8/10
(Jules Dassin, 1955)

Darjeeling Limited  5/10
(Wes Anderson, 2007)

The Immigrant  6/10
(Charles Chaplin, 1917)

Picnic at Hanging Road  8/10
(Peter Weir, 1975)

Love Actually  4/10
(Richard Curtis, 2003)

Herbstsonate  8/10
(Ingmar Bergman, 1979)

Die 120 Tage von Sodom  8/10
(Pier Paolo Pasolini, 1975)

Hausu - House  8/10
(Nobuhiko Obayashi, 1977)

Cloud Atlas  5/10
(Andy und Lana Wachowski & Tom Twyker, 2012)

Kuroneko  8/10
(Kaneto Shindo, 1968)

Ed Wood  8/10
(Tim Burton, 1994)

Die Narbe  7/10
(Krzystof Kieslowski, 1976)

Lady Snowblood  7/10
(Toshiya Fujita, 1973)

Ikiru  8/10
(Akira Kurosawa, 1952)

The Contract‘s Draughtman  4/10
(Peter Greenaway, 1983)

Guilty of Romance  7/10
(Shion Sono, 2011)

Naked  8/10
(Mike Leigh, 1993)

El Topo  7/10
(Alejandro Jodorowsky, 1970)

Meine Nacht bei Maud  7/10
(Éric Rohmer, 1969)

Synecdoche, New York  8/10
(Charlie Kaufman, 2008)

The Princess and the Frog  5/10
(Ron Clements, 2009)

The 39 Steps  6/10
(Alfred Hitchcock, 1935)

Alphaville  8/10
(Jean-Luc Godard, 1965)

Fear and Loathing in Las Vegas  9/10
(Terry Gilliams, 1998)