Sonntag, 30. September 2012

Watchlist

Gesehen im September:

Uncle Boonmee erinnert sich an sein früheres Leben  8/10
(Apitchapong Weerasethakul, 2010)

Katzelmacher  8/10
(Werner Rainer Fassbinder, 1969)

Valerie - Eine Woche voller Wunder  9/10
(Jaromil Jires, 1970)

Geständnisse  8/10
(Tesuya Nakashima, 2010)

Das Irrlicht  9/10
(Louis Malle, 1963)

Panzerschiff Potemkin  7/10
(Sergar M. Eisenstein, 1925)

The Avengers  7/10
(Joss Whedon, 2012)

Belle de Jour  9/10
(Luis Bunuel, 1967)

Berlin: Die Sinfonie der Großstadt  7/10
(Walter Ruttman, 1927)

Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... Frühling  7/10
(Ki-Duk Kim, 2003)

Children of Men  8/10
(Alfonso Cuarón, 2006)

Dekalog 1-7  8/10  
(Krzysztof Kieslowski, 1990)

Der Teufel mit der weißen Weste  8/10
(Jean-Pierre Melville, 1962)

Zazie  5/10
(Louis Malle, 1960)

Hochzeitsschlamm  8/10
(Thierry Zéno, 1974)

Tücken des Gesprächs  7/10
(Jan Svankmajer, 7/10)

Zombie in a Pinguin Suit  5/10
(Chris Russell, 2011)

Manderlay  8/10
(Lars von Trier, 2006)

Gewalt und Leidenschaft  8/10
(Luchino Visconti, 1974)

The Rocky Horror Picture Show
(Jim Sharman, 1975)

Rom, offene Stadt  7/10
(Roberto Rosselini, 1945)

Assault-Anschlag bei Nacht  7/10
(John Carpenter, 1976)

Teorema  8/10
(Pier Paolo Pasolini, 1968)

Die Nacht

La Notte (Michelangelo Antonioni, 1961)


Der letzte Tag und die letzte Nacht vor dem Erkenntnis/Eingestehen, dass sich Mann und Frau nicht mehr lieben. Wir beobachten in kalt ästhetischen zwei Gestalten, von denen behauptet wird, dass sie schon seit 10 Jahren verheiratet sein sollen. Mir wurde bei den deutschen Untertiteln immer angezeigt, dass sich das Paar gegenseitig am siezen war. Doch das passte in dem Fall in jede Bewegung und jedes Wort bei dem dem Zuschauer mehr und mehr die Distanz und fehlende Kommunikation zwischen dem Paar bewusst. "Die Nacht" ist quasi eine Art Endzeit-Ehefilm. Hoffnungslos und unangenehm steuert man durch die Nacht auf der Party, in der sich die Charaktere endgültig voneinander zu distanzieren scheinen. Das wohl glaubhafteste, was ich je über die Entfremdung einer Ehe gesehen habe.

Mittwoch, 19. September 2012

Die zwei Leben der Veronika


La Double vie de Véronique (Krzysztof Kieslowski, 1991)



Zwei Mädchen. Zwei Leben. Eines in Polen, eines in Frankreich. Beide Veronika's. Beide sich gegenseitig wie aus dem Gesicht geschnitten und was noch die größte Rolle spielt: Sie beide sind sich unbewusst am beeinflussen.
Mit "Die Zwei Leben der Veronika" beeindruckt mich Kieslowski abermals mit seinem unnachahmlichen Gespür für eine konzentrierte und aufrechterhaltene Haftung an den Charakteren. Aber genauso damit, dass dieser Film nicht so trist wie seine Dekalog-Teile ist. Von der Atmosphäre bleibt sein Werk eher etwas schönes, was vor allem emotional vom Zuschauer empfunden und gespürt werden will. Dabei aber auch interessante Fragen stellt, die er aber nicht dick aufgetragen im Ablauf stellt, da diese sich ja auch durch die Geschichte selbst aufkommen. So wie Tarkowski mich als Atheist teilweise dazu bringt an Gott zu glauben, so gelang es Kieslowski mich zu fragen, ob es nicht doch tatsächlich so etwas geben könnte. Ob man sich selber immer seinen eigenen Aktionen sicher ist und nicht weiß was einen selbst dazu gebracht hat.
Kieslowski gelingt hier ein Film, wie ich ihn will. "Die Zwei Leben der Veronika" verfolgte ich mit vollem Herz und daraufhin verfolgte er mich tagelang in meinen Gedanken. Er beschäftigt, weil er einen selber entlarvt. Als den Menschen, der manchmal aus irgendeinem Grund in irgendeiner Stimmung ist und irgendwas tut, ohne zu wissen woraus das eigentlich resultiert. Man betrachtet hier Veronika, die das Leben eben so nimmt, wie es kommt, wie sie es gerade möchte ohne ihre Aktionen auch nur lange hinterfragen zu wollen. Und wieso sollte man auch immer Gründe für irgendeine Stimmung oder irgendeine Situation haben? Obwohl, irgendwie hat mir dieser auf seine Weise gut gefallen.

Dienstag, 18. September 2012

Fahrstuhl zum Schafott


Ascenseur pour l'échafaud (Louis Malle, 1958)



Faszinierend. Ein Anruf, ein Versprechen auf ein neues Leben, ein Schuss, eine, nein zwei kleine Unachtsamkeit und aufeinmal geht die Geschichte einen völlig anderen Weg. Ein Mann, eingesperrt im Lift. Ein Paar, die dies ausnutzen, sich dabei jedoch ins Verderben stürzen und eine, die verzweifelt und unwissend durch die Straßen läuft. Malle's Film ist schwer, da man als Zuschauer selber alles genau mitgekriegt hat, aber selber gar nicht weiß, wie die Charaktere auf all dies stoßen sollen. Aber das macht auch seine Spannung aus. Wie sich die Personen in ihrem Unwissen verhalten. Die Stimmung des Films ist irgendwie deprimierend. Vor allem wie Jeanne Moreau die erste Hälfte ziellos, begleitet von Jazz-Klängen, rumläuft und versucht ihren Mann zu finden, in dem glauben, dass sie betrogen wurde. Eindringlich dabei: Die zwischenzeitlichen Voice-Over's. Alles in allem eine in kalten Bildern gehaltene Perle, welche perfekt die dramatischen Folgen eines Missgeschickes erzählt.

Samstag, 15. September 2012

Eureka

Eureka (Shinji Aoyama, 2000)


Eines der ganz großen, modernen Meisterwerke aus Japan. Ein Riesenfilm. Von der Länge, von dem Inhalt, von der Geschichte, von dem Sepia-Look und den Wendungen, die wie in Echtzeit am Zuschauer vorbeigehen. "Eureka" handelt von dem Leiden und der Angst, die ein plötzlicher Überfall in einem Bus auslöst. Daraufhin scheint die ganze Welt des Filmes ins Schweigen zu geraten. Es wird nicht mehr geredet. Irgendwie spricht die Situation, in der sich die Hauptcharaktere befinden für sich. Als der Busfahrer zu den beiden einzigen überlebenden des Bus-Überfall kommt, scheint es deren Lage zu sein, in der sich alle drei befinden, über die sie sich verständigen können, ohne zu reden, bis dann irgendwann der Entschluss gezogen wird wegzufahren und der Film sich in ein malerisches Road-Movie-Erlebnis wird. Ein Film, so trist in seinem Inhalt, wie Edel in seiner Sepia-Optik. Ziemlich ruhig in seinem Erzählstil und doch gelingt es ihm vielfältig verschiedene Genre-Türen zu öffnen. Eine einzige, meditative, sogreiche Reise, von der man sich kaum entziehen kann. 

Freitag, 7. September 2012

Belle de Jour



Belle de Jour (Luis Bunuel, 1967)

Bitterböse visualisiert Bunuel die physischen Sehnsüchte einer Ehe anhand von verstörenden Tagträumen oder eben Séverine's Doppelleben als "Schöne des Tages" oder betrübte Ehefrau, deren Beziehung im Verlauf der Geschichte auch noch psychisch immer mehr aus den Fugen gerät. Bunuel's wohl erfolgreichster, wenn auch von ihm nicht selber nicht am meisten geschätzter ("[...]Ich schreibe den Erfolg mehr den Nutten in dem Film zu, als meiner Arbeit.") "Belle de Jour" ist eiskaltes, malerisches, aufregendes und bizarres Kino. Es ist irgendwie ein Hin und Her von treuer Ehefrau zur Edel-Prostituierten. Es ist irgendwie ein unangenehmer Ausbruch aus einer gefühllosen Ehe ins Nirgendwo gesteuert von dem menschlichen Verlangen nach Gefühlen. Faszinierend durch und durch.