Samstag, 12. Mai 2012

Drive

Drive (Nicholas Winding Refn, 2011)

„Drive“ ist eine fast schon empörend schicke und atemberaubende L.A.-Odyssee der 80er. Diese wird getragen von einer Kinematographie, die jedem Freund von inszenatorischer Perfektion feuchte Träume beschert und perfekt daran erinnert, was Kino erreichen kann und wie es mit jedem „Fast and Furious“ unter seinen Möglichkeiten bleibt. Hier wird ein Thriller mit einer recht alten Handlung zu einer elektrisierenden Film-Erfahrung. Durch die langen Einstellungen, die angedeuteten Szenen, welche ohne Worte-Wechsel stattfinden nimmt man einfach Teil an den Charakteren und der Geschichte. Es beweist, dass man CGI nicht braucht und nie gebraucht hat um aus dem Zuschauer zu bewegen. Action wird selten eingesetzt, aber wenn sie kommt ist es zum perfekten Zeitpunkt (Stichwort: Kussszene), am perfekten Ort und in seiner perfekt eingesetzten Dosierung wie ein Traum. Die Kamera zieht zumeist durch lange Straßen, blitzende, blinkende Wolkenkratzern, Fahrstühlen, dunkele Korridoren und pendelt dann wieder durch Straßen und Hochhäusern Hin und Her. Dies zieht sich in voller Laufzeit durch Refn´s Neo-Noire. Doch dann bleibt diese immer einer Stelle kleben. Nämlich da wo Gosling steht. Ryan Gosling, der seine Skorpion-Jacke trägt. Ryan Gosling, der seine Handschuhe trägt. Ryan Gosling, der an Zahnstochern kaut. Ryan Gosling, der durch die Nacht fährt. Ryan Gosling, der zumeist still bleibt und dann im nötigsten Moment blitzschnell (mit dem Hammer) zupackt. Er hat es geschafft vom Schönling aus Filmen wie „The Notebook“ zu einem der coolsten von diesen wortkargen, fremden Fahrern zu werden. Sein Charakter ist so fantastisch eingefangen und gemimt. Man könnte ihm Stunden zugucken, wie durch die Nacht oder den Tag fährt. Wie er für Filme Stunts macht, wie er lacht-whatever? Der Soundtrack ist durch und durch unglaublich und bringt eine einzigartige, unnachahmliche Stimmung. Der Score von Cliff Martinez macht da ebenfalls alles richtig und untermalt zauberhaft die passende Stimmung.
Ein Film, wie gemalt, wie er erträumt und dann auch noch der erste, den ich dieses Jahr gesehen habe. Pures Aufsaugen, unvermeidbar. Ein Augenschmaus. Ein Genuss für die Ohren. Für alle Sinne. So schnell wie möglich noch einmal oder gleich dreimal. Ich hab das schon lange nicht mehr gesagt: Was für´n geiler Streifen!

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