Angst essen Seele auf (Rainer Werner Fassbinder, 1974)
Sensibles und minimalistisches Melodram über den kleinbürgerlichen Rassismus in dem Umfeld der 70er. In seiner Thematik wird "Angst essen Seele auf" in jedem Fall zeitlos bleiben. Die Figuren, die er entwirft dürften möglicherweise leicht konstruiert wirken, geben diesem Film aber doch eine unglaubliche Intensität. Fassbinder geht es vor allem um das gesellschaftliche Miteinander. Über die pessimistisches Beobachtungsgier unserer Mitmenschen. Seine konzentrierte Inszenierung, die in den passenden Momenten Distanz und Nähe zu seinen Figuren zulässt, schließt taktisch klug einen immer enger werdenden Teufelskreis um die beiden Hauptpersonen, die wirklich höchstbewegend und glaubhaft, sowohl von Brigitte Mira als auch El Hedi ben Salem, gespielt werden. "Angst essen Seele auf" ist ein - ganz besonders für Fassbinder - sehr deprimierender Film. Ein Unwohlsein im Wohlsein. Ein Höllenritt im Glück. Eine gedankenorientierte Tristesse.
8/10

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