Samstag, 2. Juni 2012

Montana Sacra

The Holy Mountain (Alejandro Jodorowski, 1973)


Was ist das?, fragt man sich da die volle Zeit, aber dann weiß man es am Ende doch wieder. Man ist  nicht eingeschlafen und hat zwischendurch so ein krankes Zeuge geträumt? Nein, das war ja "nur" ein Film, ein einziger optischer Overkill, der in seinem wilden Fantasie-Orgien einen sprachlos vor dem Bildschirm aufhorchen lässt. Man bekommt hier Bilder zusehen, mann. Das will man gar nicht glauben. Surrealismus und Spiritualität treffen in einen außer Kontrolle geratenen Mischmasch von Religionen, Gesellschafts-Kritik oder verschiedensten Figuren ineinander. Hier kann man überhaupt nichts vorhersehen, denn man sieht so etwas sowieso nie und wird es auch nicht mehr. Bild für Bild scheint ein überladenes, kunstgeladenes Schmuckstück, scheinbar wirklich von einem Drogenrausch inspiriert. Armer Dieb trifft nach weitem Weg - der schon als für sich stehendes Erlebnis gereicht hätte und dem ein oder anderen Zuschauer auch schon reichen wird - auf die Reichen Säcke, die ihr Geld mit Schönheitsrekrutierungen, Waffen, Kinderspielzeugen für die Vorbereitung auf den Krieg und anderen schmutzigen Geschäften machen. Doch all diesen will ein Mann, ein Kaiser, gespielt vom Regisseur selbst, ihr ihr Ego rausprügeln. Sie erfahren alle physische Schmerzen und müssen zu irgendeinem heiligen Berg. Was da passiert will ich jetzt erstmal nicht verraten, aber es spottet wirklich jeglicher Beschreibung und ist ein geballter Mittelfinger hingegen jedes aufmerksamen Beobachters. Ein echt böser Gag, den sich der Regisseur hier leistet, aber er hat funktioniert.
"The Holy Mountain" ist die Spitze, die Groteske von dem experimentellen Einfallsreichtum den man mit den richtigen Köpfen umsetzten und in jede Kulisse, jede Idee und jeden Charakter hineinwerfen kann. Ein Film, der so unglaublich geworden ist, dass seine Botschaft es gegen Ende doch unglaublich schwer hat, gegen dieses schwer fassbare Werk anzukämpfen, aber immerhin noch daran wieder erinnert hat, was man da nun erlebt hat.

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