Freitag, 16. November 2012

The Tree of Life


The Tree of Life (Terrence Malick, 2012)

Erinnerung für Erinnerung zaubert Malick ein Gemälde. Sein Film verweigert sich einer klaren Struktur, denn es ist ein Werk, was sich komplett aus den Gedankengängen eines Menschen, welcher seinen jüngeren Bruder verlor, besteht. Der Tod einer Person wirft bei einem selber natürlich immer existenzielle Fragen auf. Diese stellt nicht Malick, welchem immer wieder vorgeworfen wird pseudophilosophischen Quark zu verbreiten. Sein Film stellt den Versuch eines Menschen dar, zu fragen, wo der Mensch hingeht, den er verloren hat. Da dieser, wie sich in seinen Kindheit zeigt, ziemlich religiös erzogen wurde, spielt Gott dabei natürlich eine große Rolle, nachdem er in diesem Film öfter sucht. Das stößt natürlich noch bei vielen negativ auf, da das immer zu den ach so nervigen Voice-Overn führt, die aus meiner Sicht sowieso deutlich seltener eingesetzt werden, wie immer behauptet wird, denn es sind genug Bilder da, die für sich selber stehen gelassen werden. Dann gehen die Gedanken auch noch rund um das Universum (die Aufnahmen davon - das einzige, was dieser Film mit "2001" zutun hat), die Entstehung der Erde und schließlich in die eigene Kindheit, die man die volle Zeit mit der verstorbenen Person verbracht hat. Die Form und Übergänge in der Malick all dies ohne eine einzige zu lang geratene oder unnötige Sequenz unter einen Hut bringt, bildet einen Sog, dem ich mich auch beim vierten Mal ansehen nicht entziehen kann. Die Bilder haben eine Schönheit, die man so noch nie gesehen hat und ewig im Gedächtnis bleiben. Die Familiengeschichte, welche Malick schildert ist jedoch immer noch der Höhepunkt des Films. Besonders die Geburt und die Szenen als Baby mit den ersten Dingen, denen man begegnet, sind so real und nachvollziehbar, generell fand ich den Film nicht in irgendeiner Weise wirr, sondern in seiner Form, die er präsentieren möchte komplett einnehmend, was wohl auch mit daran lag, dass ich vorher ein schon genug darüber gelesen hatte. "The Tree of Life" hält die volle Zeit die Sicht auf die Dinge in den Augen von der Rolle Sean Penn's fest, bleibt dabei konsequent und endlich mal wieder ein Film, der den Mut aufbringt aus subjektiver Sicht Gedankengänge und Erinnerungen zu visualisieren - und wie! Alles in allem ein Riesenfilm, einer der größten seit langem und der größte der 2010er bisher.

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