Week End (Jean-Luc Godard, 1967)
Mehr geht nicht. Ein praktisch ungenießbares Stück Größenwahn. Godard sucht die Grenzen, nein, das Ende des Kinos. Er legt den Fokus auf Szenen, die gerade vom Zuschauer gemieden werden wollen. Ob nun die andauernde Textzeilen zwischendurch, die legendäre knapp 10 Minuten gehende Plansequenz des Staues, unterlegt mit ohrenbetäubendem Hupen oder ein sich gefühlt Stunden hinziehendes Gespräch, was sich um den Betrug einer Ehe dreht und immer wieder von der Filmmusik übertönt wird. Es war nie so, dass man bei Godard erwarten kann, was einem dieser Film bietet, aber das sprengt den Rahmen des vorstellbaren. Die Angriffsfläche dürfte enorm hoch liegen. "Week End" baut zwar eine Struktur auf, schweift jedoch immer wieder ab. Immer wieder taucht Kritik an Politik auf, Szenen werden wiederholt, aus dem Off wird gesprochen. Die Hauptdarsteller sprechen ihre Verachtung über den Film aus. Mit dem Ziel das Erbgut für den verstorbenen Vater zu beantragen stürzt sich das Ehepaar mit den Zuschauer in einen einzigen Horrortrip. Schon die Anfahrt ist ultraböse. Es gibt Konflikte zwischen ihnen und Anhaltern, Philosophen oder (fiktiven) Gestalten, die bis zur unangenehmen Grenze ausgetragen werden. Ein beeindruckend herausforderndes Experiment, was all die Freiheit, die das Medium doch wirklich besitzt in Erinnerung ruft. Sicher drückt der Regisseur dies auch reichlich polemisch und narzisstisch aus, aber das Ergebnis ist ein purer Antifilm, wie er wohl nie wieder gedreht werden wird.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen