Anfang. Der Joker ist kein Psychopath. Er ist ein skrupelloser, anarchistischer Verbrecher, nur geschminkt und den ganzen Film über vor sich hinschmatzend, womit er den ganzen Film über zu sagen scheint: "Habt Angst vor mir, ich bin einer völlig kranker Psychopath!". Ein Mann, der Banken ausraubt, Schulbusse klaut, Krankenhäuser in die Luft jagt und scheinbar einfach nur nach den Chaos in der Gesellschaft sucht und dies natürlich ganz besonders clever anstellen will, in dem er Batman umbringt. Dabei versucht Nolan immer wieder den Wahnsinn des Jokers anhand von scheinbar sinnlosen Ermordungen und durch sein clownartiges Auftreten darzustellen und zeigt dabei immer wieder, dass der Joker kein sinnlos vor sich hinmordender Psychopath ist. Nein, seine Morde scheinen alle eben einen Sinn zu haben, nämlich die langsame Zerstörung eines sich gerade zur Besserung besinnenden Gotham, dessen Korruption immer mehr abnimmt, was vor allen Dingen dem "guten" Anwalt Harvey Dent zu verdanken ist.
Was Nolan in "The Dark Knight" ein ganzes Stück besser macht, als in seinem Vorgänger ist die erweiterte und nicht allzu angestrengte Hingabe zu Figuren, Inhalt und Aussage. "Batman Begins" ist war darin um einiges angestrengter, langsamer und dennoch inhaltlich deutlich ärmer. Man versuchte in ausschweifenden Kämpfen und langen Wegen nach Erweiterung der Figur und wollte diese durch Dunkelheit und Angst gehen lassen um sie an das Batman-Kostüm anzupassen.
In "The Dark Knight" geht es Nolan nicht um die Figuren, sondern viel mehr darum, was angerichtet wird. Es geht in diesem Film mehr um Batman, als Bruce Wayne ohne dabei wirklich an Batman selbst zu denken. Man richtet sich hier an den Sinn, an die Wichtigkeit, die der Held nun in sich trägt oder nicht. Ob er in allen Zeiten wirklich nur gutes tut. Man lässt hier einen enormen Druck auf Bruce Wayne alias Batman los und er weiß nicht immer ob er diesen standhält. So bleibt "The Dark Knight" auf der einen Seite gesundes Blockbuster-Kino, was auf überaus aktuelle Weise den Helden als dunklen, zum Ende hin gebrochenen Ritter portraitiert. Auf der anderen Seite verliert sich Nolan in "The Dark Knight" allerlei, was nicht wirklich meinem Geschmack entspricht. Sein Film hält nur leicht an den Figuren selbst fest, was dann wenigstens zu keiner angestrengten Charakterisierung wie im Vorgänger wird. Er lässt die Figuren dafür umso mehr im Pathos-Sumpf versinken. Seien es der böse Joker und alle anderen bösen Mafia-Mitglieder oder seien es ebenso die lieben Helfer auf der anderen Seite (Morgan Freeman und Michael Caine sind für solche Rollen ja wohl bestens geeignet). Nolan versucht zwar dabei auch ein Auge auf den Joker zulegen, der sich als gewollt verrückter Verbrecher leider etwas gerade dabei eben sehr gewollt wirkt. Außerdem geht es Nolan ebenso um die Figur Harvey Dent. Seine Verwandlung vom Guten zum Bösen ist keinesfalls schlecht gespielt, doch insgesamt zu einfach kreiert: Seine Frau stirbt und nun sucht er mit allen Mitteln die verantwortlichen. Abgesehen davon hat "The Dark Knight" zweifelsohne mit seiner Fantasielosigkeit (man siehe schon bei Nolans "Inception" - Träume im James Bond-Desgin) zu kämpfen. Ebenso wirken eben auch seine leider auch zu lang geratenen Action-Szenen, die zu Teilen leider vollkommen lieblos aussehen und dabei unpassenderweise von dem laut aufgedrehten Countdown-Score von Hans Zimmer begleitet werden, was auf die (äußerst reichlichen) Dauer dieses Films anstrengt.
Fazit: "The Dark Knight" hat was. Manchmal etwas zu viel, manchmal etwas zu wenig. Nolan macht es sich im zweiten Teil leichter, dafür wirkt das dann im Gesamtpaket deutlich stimmiger. Sein Sequel leidet unter den typischen Merkmalen, die ihn für seine Skeptiker durchaus weniger reizbar machen könnte, doch hat man hier dennoch eine vollständige Neuintepretation, die durch Nolans Fantasielosigkeit auf der einen Seite aufstösst, dafür auf der anderen Seite einen neuen Reiz entwickelt und Batmans Figur durchaus etwas hinzuzufügen hat.

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